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Reihe Germanistische Linguistik

Band 255:
Scharloth, Joachim: Sprachnormen und Mentalitäten. Sprachbewusstseinsgeschichte in Deutschland im Zeitraum von 1766 bis 1785. X/561 S. - Tübingen: Niemeyer, 2005.
ISBN: 3-484-31255-6
Dieser Band ist im IDS verfügbar:
[Buch] IDS-Bibliothek: Sig. QE 926
Alternatives Medium:
E-Book (PDF). Berlin / New York: de Gruyter. ISBN: 978-3-11-091024-7

Die Debatte um die Norm des Hochdeutschen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde nicht nur mit linguistischen Argumenten geführt, sondern auch mit kulturkritischen und moralischen. Gegen die Dominanz der Sächsischen Sprachkundler formierte sich mit Friedrich Karl Fulda, Johann Gottlieb Hartmann und Johannes Nast in Schwaben eine Opposition, die durch eine alternative Sprachnorm eine sittliche Erneuerung Deutschlands erreichen wollte. Die Studie fragt, wie es zu so unterschiedlichen Ausprägungen im Sprachdenken einer Zeit kommen kann. Durch die Verschränkung verschiedener sozial-konstruktivistischer Theorien (Wissenssoziologie, Kulturelles Gedächtnis und linguistische Diskursanalyse) wird ein Modell der Genese von Sprachbewußtsein entwickelt, das es erlaubt, Denkweisen über Sprache aus mentalitären Dispositionen zu erklären. Die tiefensemantische Analyse von sprachreflexiven, aber auch feuilletonistischen, literarischen und kulturhistorischen Texten und Druckgraphiken des 18. Jahrhunderts zeigt, wie allgemeine Denk- und Bewertungsschemata die Debatte über die Frage »Was ist Hochdeutsch?« präformierten und organisierten. Das Denken über Sprache entfaltete sich demnach in den argumentativen und semantischen Rahmen des kulturkritischen Diskurses. Die Sprachnormendebatte wird so als Streit über die sittliche Verfassung und die nationale Identität Deutschlands lesbar gemacht.

Inhaltsverzeichnis

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1.   Sprachbewusstseinsgeschichte und Mentalitätsgeschichte S. 1
2.   Sprache und Kultur S. 123
3.   Was ist Hochdeutsch? S. 173
4.   Die Debatte um den Vorrang des Obersächsischen im mentalitätsgeschichtlichen Kontext S. 277
5.   Sprachnormierung im Dienst der Wiederherstellung alter deutscher Sitten S. 417
6.   Zusammenfassung, Ergebnisse und Ausblick S. 527
7.   Verzeichnis der Abbildungen S. 535
8.   Literatur S. 537

Rezensionen

  • Gardt, Andreas (2009): Rezension von: Joachim Scharloth: Sprachnormen und Mentalitäten. Sprachbewusst­seinsgeschichte in Deutschland im Zeitraum von 1766-1785 (Reihe Germanistische Linguistik. 255). In: Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 76.1. Stuttgart: Steiner. S. 111-114.

  • Ptashnyk, Stefaniya (2009): Rezension von: Scharloth, Joachim. 2005. Sprachnormen und Mentalitäten. Sprachbewusstseinsgeschichte in Deutschland im Zeitraum von 1766 und 1785 (Reihe Germanistische Linguistik 255). Tübingen: Niemeyer. In: Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Sprachwissenschaft 1. (= Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Sprachwissenschaft (ZRS) 1.1). Berlin/New York: de Gruyter. S. 98-105. Text