Mit dem über das Internet frei zugänglichen grammatischen Informationssysem GRAMMIS soll hier eine Quelle vorgestellt werden, die sich aufgrund ihrer inhaltlichen Konzeption auch für Lehrer anbietet, und die aufgrund ihrer technischen Konzeption flexibel auf unterschiedliche Bedürfnisse reagieren kann.
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GRAMMIS ist eines der Hauptprojekte der Abteilung Grammatik am IDS Mannheim. Nach früheren Pilotstudien mit Autorensystemen und Runtime-Versionen auf Disketten (vgl. dazu Storrer (1997) und die Beiträge von Breindl, Storrer und Strecker in Storrer/Harriehausen (Hg.) (1997)) wird es seit 1997 als dynamisches, XML-basiertes und auf einer Datenbank implementiertes System direkt für das WWW entwickelt (Näheres zum inhaltlichen Konzept und zur technischen Realisierung in Breindl/Schneider/Strecker (2000)).
Zielsetzung von GRAMMIS ist die Vermittlung grammatischen Wissens an einen heterogenen Adressatenkreis unter Nutzung medienspezifischer Mehrwerte. Zur Begründung der besonderen Liaison der Textsorte Grammatik mit dem Medium Hypertext sind drei Gedanken zentral: Erstens können mit den Mitteln von Ton, Bild, Grafik und Animation Regularitäten des Gegenstands Sprache anschaulicher repräsentiert werden als mit einem gedruckten Text. Zweitens kann der typischen Mehrfachadressierung von Grammatiken und den unterschiedlichen Nutzerbedürfnissen mit den variablen Zugriffsmöglichkeiten, die dank Hypertext- und Datenbanktechnik realisierbar sind, besser begegnet werden als mit einem linear organisierten Buch. Und drittens bietet das Publikationsmedium WWW die Möglichkeit, große Mengen an einschlägigen Daten Wörterbücher, Textkorpora, Bibliografien anzubinden und aktuell zu halten (vgl. Breindl 1999).
Die inhaltliche Basis bildet vor allem die dreibändige Grammatik der deutschen Sprache (Zifonun/Hoffmann/Strecker et al. 1997, zitiert als GDS). Sie wird für GRAMMIS nicht eins zu eins umgesetzt, sondern bei der Hypertextualisierung neu segmentiert und inhaltlich mehr oder minder stark überarbeitet. Sukzessive werden auch neuere Forschungsergebnisse aus der Abteilung eingearbeitet, so in den Einheiten "Wortbildung" und "Konnektoren". Für letztere steht das Projekt "Handbuch der deutschen Konnektoren", (Pasch/Brauße/Breindl/Waßner (im Druck), zitiert als HDK) inhaltlich Pate.
Seit 2001 hat GRAMMIS mit dem vom BMBF geförderten Projekt ProGr@mm "propädeutische Grammatik", ein hochschuldidaktisches "Kind", das Bestandteil des Verbundprojekts PortaLingua (online-Medien für die linguistische Ausbildung) ist. Anders als GRAMMIS ist ProGr@mm für eine homogene Zielgruppe konzipiert und enthält eine interaktive didaktische Komponente.
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GRAMMIS ist modular aufgebaut, was auch die Startseite repräsentiert.
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3.2.1 Komponente systematische Grammatik
Den Kern bilden Hypertexte zur Grammatik, die modular über eine hierarchische Struktur in etwa das traditionelle Inhaltsverzeichnis und über eine Netzstruktur von Hyperlinks also ein System von Querverweisen untereinander verbunden sind und sich sukzessive zu einer vollständigen systematischen Grammatik ergänzen. Diese Texte sind je einer von drei Wissensebenen zugeordnet. Der Großteil gehört zur Detailebene: Sie bietet detaillierte Informationen für die meisten Nutzungssituationen und Nutzer. Kompakttexte geben in geraffter Form Zusammenfassungen größerer Einheiten, Vertiefungstexte bieten Expertenwissen wie Aufarbeitung des Forschungsstands, Problematisierungen und Begründungen von Detailinformationen, grammatische Sonderfälle u.ä.
Ein typisches Beispiel für einen Kompakttext ist die Zusammenfassung der Einheit Präpositionalphrasen. Ausgehend von einem Bild Spitzwegs Bücherwurm wird die wesentliche semantische Funktion von Präpositionalphrasen, die lokale Situierung von Ereignissen und Ereignisbeteiligten, eingeführt (der Mann auf der Leiter, das Buch im Regal), und es werden die nicht-lokalen Supplementfunktionen (aus Rache, in Rage) und Komplementfunktionen (beruhen auf, bestehen in) davon abgeleitet. Eine Grafik zeigt die Rektions- und Kongruenzbeziehungen innerhalb der Präpositionalphrase. Der gesamte Kompakttext hat einen Umfang von zwei bis drei Bildschirmlängen; die gesamte Einheit Präpositionalphrasen umfasst auf der Detailebene dagegen 22 Untereinheiten.
Zum Vergleich ein Ausschnitt aus einem Detailtext aus derselben Einheit Präpositionalphrasen. Hier geht es um deren semantische Eigenschaften, exemplarisch um die Bedeutung von Präpositionalphrasen mit der Präposition auf. Hier illustriert Wilhelm Busch die Grundbedeutung von auf, nämlich Lokalisierung in der vertikalen Dimension an der Oberseite eines Objekts (Der Schneider auf dem Tisch, das Bügeleisen auf dem Bauch, Max und Moritz auf dem Dach). Von dieser Grundbedeutung wird bereits im räumlichen adverbialen Bereich metaphorisch "ausgegriffen"; das zeigen die Bilder mit dem Etikett auf der Flasche und den Flecken auf der Wäsche: Hier gilt die Vertikalität nicht mehr und es kommt der weniger spezifische Bedeutungsfaktor der "perzeptiven Salienz" zum Tragen. Den weiteren Übertragungsweg zu Komplementverwendungen wie sich einlassen auf, hoffen auf, Zorn auf kann man auf der Vertiefungs-Ebene verfolgen.
Als Beispiele für die Vertiefungsebene seien drei Vertiefungen zur Einheit Wortarten angeführt. Da ist zum einen eine aufgrund ihrer komprimierten Darstellungsweise inhaltlich eher anspruchsvolle grafische Übersicht über die Wortarten mit ihren differenzierenden Merkmalen, des weiteren ein Text, in dem das Klassifikationsverfahren von GRAMMIS und GDS unter Anführung der einschlägigen Literatur in der Wortartenforschung verortet und die eigene Position begründet wird, und schließlich ein Ausblick auf die Probleme, mit denen sich jede Wortartklassifikation konfrontiert sieht (Sprachwandel, kategoriale Schwankungen, Polykategorialität, Peripherie-Phänomene etc.). .
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3.2.2 Komponente Terminologisches Wörterbuch
Das terminologische Wörterbuch - hier der Eintrag anaphorisches Personalpronomen - gibt Erklärungen zu grammatischen Termini. Die Glossareinträge sind untereinander und mit einem Detailtext vernetzt; wenn es von da aus einen Vertiefungslink gibt im vorliegenden Fall etwa zu den Besonderheiten der Form es entspricht das dem Prinzip der gestuften Informationstiefe. Oft ergibt sich aber bereits über das Glossar ein terminologisches und konzeptuelles System. Ausgehend vom Glossareintrag "anaphorisches Personalpronomen" kann man sich über die Verlinkung mit dem Kohyponym "Kommunikantenpronomen" und dem Hyperonym "Pronomen", das wiederum auf alle Subklassen verweist, das komplette Pronominalsystem erschließen. Dabei wird jeder Eintrag mit konkurrierenden Termini in Bezug gesetzt und diese werden, mit * gekennzeichnet, in die Liste eingeordnet und verlinkt D.h. wer auf "Personalpronomen 3. Person" klickt, kommt zu obigem Eintrag, oder, um das Eingangsbeispiel aufzugreifen, "Artergänzung" führt zum selben Ziel wie "Prädikativkomplement" oder "Gleichsetzungsnominativ". Deutliche Abweichungen der GRAMMIS-Terminologie von der Tradition wie im obigen Beispiel werden offengelegt und thematisiert. Die Trennung der anaphorischen Pronomina er/sie/es von den deiktischen Kommunikantenpronomina entspringt dabei der funktionalen Orientierung der GDS.
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3.2.3 Komponente Grammatisches Wörterbuch
Das grammatische Wörterbuch enthält grammatische Informationen zu Funktionswörtern. Erfasst sind bisher Wortbildungsaffixe, im Aufbau sind ein Präpositionen- und Konnektorenwörterbuch.
Angaben zu Form, Wortart, Bedeutung, stilistischer Markierung und Homonymen gibt es für alle Einträge, der Rest ist wortartspezifisch strukturiert. Für eine Präposition, hier der Eintrag während sind Phrasenbildung, Stellung, Kasusrektion, syntaktische Funktion und Verschmelzungsmöglichkeiten mit dem Artikel relevant. Angaben zum Gebrauch sind in unstrittigen Fällen kompetenzbasierte (aber oft beleggeleitete) Beispiele, für ungewöhnlichere Verwendungen werden Belege, meist aus den Mannheimer Korpora und mitunter auch Tonbelege, benutzt und Gebrauchsrestriktionen angegeben. Interessant ist bei während etwa die Dativ-Rektion mit regionaler und Registerbeschränkung, aber auch unabhängig davon mit rein phonetischer Lizenzierung (während dem Sex, während dem Match). Zu anderen Verwendungen der Einheit wird verlinkt. Das ist im Falle von während die Verwendung als Subjunktor funktional ein Konnektor. Hier sind Angaben zu Stellung, Reihenfolge und besonderen Formatbeschränkungen der Konnekte (Verbletztstellung) wichtig. Angegeben werden die semantischen Domänen (oder Felder), wir gehen aber von einem Bedeutungsminimalismus aus, der relativ vage, domänenübergreifende Grundbedeutungen postuliert. Für während ist das "simultane Gültigkeit, Kookkurrenz von zwei Sachverhalten unter einem bestimmten Einordnungszusammenhang". Bedeutungsunterschiede gehen dann nicht auf das Konto von "adversativem" vs. "temporalem" während, sondern auf unterschiedliche Kontexte, die beim Hörer pragmatische Raisonnements auslösen: Solche "Uminterpretationen" von Temporalkonnektoren die Gleichzeitigkeit markieren zu Kontrastmarkern finden sich häufig (indes(sen), derweil, dabei, mal...mal, wiederum). Es sind Beispiele für das in 2.2. erwähnte semantisch-pragmatische Prinzip, die Koinzidenz von Ereignissen vor allem dann zu betonen, wenn diese kontrastierende oder inkompatible Aspekte aufweisen. Die Kontexte, die eine bestimmte Interpretation erzwingen oder blockieren, werden nach Möglichkeit beschrieben. Im Fall von während erzwingt etwa das Vorliegen unterschiedlicher Aktzeiten in den Konnekten (Während früher ... war, ist heute ...) eine adversative Interpretation.
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3.2.4 Bibliografien zur deutschen Grammatik
An das grammatische Wörterbuch sind verschlagwortete bibliografische Datenbanken angebunden, die auf Klick automatisch eine Literaturrecherche nach Arbeiten über das Objektwort starten. Die größte dieser Datenbanken ist die "Bibliografie zur deutschen Grammatik", die früher in Buchform von Peter Eisenberg herausgegeben wurde und die nun seit einigen Jahren am IDS im Rahmen von GRAMMIS gepflegt wird. Sie enthält derzeit ca. 15.000 verschlagwortete Einträge. Daneben gibt es zwei feiner verschlagwortete Spezialbibliografien zu Konnektoren und Präpositionen, die als Begleitarbeiten zum HDK-Projekt entstanden sind. Alle drei Bibliografien werden laufend aktualisiert.
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Die in diesen Komponenten enthaltenen Daten sind über mehrere Zugänge erschließbar.
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3.3.1 Die in diesen Komponenten enthaltenen Daten sind über mehrere Zugänge erschließbar.
Den Zugang über eine inhaltliche Systematik gewährleistet ein dynamisches hierarchisches Inhaltsverzeichnis.
Hier der Teilausschnitt, der eingeblendet wird, wenn man von der Seite "anaphorisches Personalpronomen" aus die Übersicht aufruft. Der Mehrwert gegenüber dem Inhaltsverzeichnis eines Buchs liegt darin, dass man ohne Blättern an jeder Stelle der systematischen Grammatik deren Verortung im System erkennen kann und die Übersicht gleichzeitig eine bequeme Navigationshilfe ist. Ebenso können dynamische Übersichten über die Netzstruktur erzeugt werden, die anzeigen, aus welchen Einheiten Links (Querverweise) zur gerade besuchten Einheit hinführen, und zu welchen Einheiten Links von dort aus führen. Auch hier kann man via Übersicht navigieren.
Der Zugang über die Inhaltsverzeichnisse bietet sich an, wenn man sich einen Überblick verschaffen oder sein Wissen in einem Teilgebiet der Grammatik ergänzen oder vertiefen möchte, generell ist sie für Nutzer vom Typ Systematiker wohl der geeignete Zugang.
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3.3.2 Zugang über einen Terminus
Mit dem Zugang über einen Terminus, über die alphabetische Liste des terminologischen Wörterbuchs oder als Einblendung in den Text , kann man in kompakter Form Wissenslücken schließen oder der Erinnerung auf die Sprünge helfen. Wer bei Lektüre der Einheit "werden-Passiv" nicht (mehr) weiß, was periphrastisch heißt, kann sich den Eintrag Periphrase einblenden lassen. Das Glossar ermöglicht ferner, alternative Termini und Konzepte aufeinander zu beziehen.
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3.3.3
Zugang über ein Objektwort
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3.3.4 Zugang über eine bibliografische Angabe
Der Zugang über die Bibliografie erlaubt vielfältige kombinierbare Recherchemöglichkeiten (Autor, Jahr, Titel, Titelstichwort, Schlagwort, Objektwort, Kontrastsprache). Er bietet sich für speziellere Interessen an. Mitunter gibt es auch in den Texten der systematischen Grammatik, insbesondere in solchen der Vertiefungsebene, Verweise auf weiterführende Literatur, die dann als Fenster eingeblendet werden können.
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3.3.5 Suchfunktionen: Volltextsuche und Schlagwortsuche
Ferner gibt es noch die Möglichkeit der Volltextrecherche in der systematischen Grammatik und die gezieltere Schlagwortsuche, da die einzelnen Einheiten von den Autoren verschlagwortet werden. Die Suchmöglichkeiten sind hier im Einzelnen recht differenziert.
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3.3.6 GRAMMIS Plus: individuelle Ansichten, Pfad, Notizen
Alles bisher Gezeigte ist frei zugänglich. Für einige Zusatzfunktionen, die auf individuelle Nutzereinstellungen flexibel reagieren, ist ein Einloggen mit Kennung und Password erforderlich, dass sich der Nutzer aber selbst vergeben kann. Diese Funktionen finden sich unter GRAMMIS PLUS. Der Nutzer kann hier erstens einige Parameter der Form, in denen sich ihm GRAMMIS präsentiert, variieren: etwa wahlweise Anzeige oder Unterdrückung von Vertiefungslinks und anderen Links. Zweitens kann der Nutzer eine beliebige individuelle Sequenz von Einheiten zu einem Pfad abspeichern und diesen auch nachträglich bearbeiten, erweitern und umordnen. Hier exemplarisch eine beliebige Zusammenstellung von Seiten zu einer Tour zum Thema Wortstellung. Die Tatsache, dass jeder, der sich unter der gleichen Kennung einloggt, die gleiche Tour einsehen und nachgehen kann, macht diese Funktion auch für die Lehre, speziell für Seminare interessant.
Und drittens kann man zu den einzelnen Seiten individuelle
Annotationen erstellen und abspeichern, die sich dann bei jedem Aufruf dieser Seite
wieder abrufen und verändern lassen, im Grunde eine Imitation der Randnotiz auf
gedrucktem Papier.
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