In der Internet-Kommunikation haben sich über die Jahre hinweg
medienspezifische Konventionen für die Verwendung spezieller Zeichen herausgebildet. Die
Bedeutung und der Verwendungszweck dieser Zeichen wird in einer Gruppe von Regeln
erläutert, die wir als Regeln vom Typ Saussure bezeichnen.
Manche davon versuchen die Beschränkungen des ASCII-Zeichensatzes, die für nicht in
englischer Sprache verfasste E-Briefe erheblich sind (vgl. dazu Zimmer, 1997), zumindest
in einigen Punkten in den Griff zu bekommen: So ersetzt der Unterstrich das
Anführungszeichen bei erwähnter Rede (z.B. bei Titeln: Quines Aufsatz _Reference and
Modality_ ). Zwei Asterisken umschließen die Wörter im Text, die besonders hervorgehoben
werden sollen. Die Großschreibung hingegen von der man als naiver Netz-Debütant
ja auch annehmen könnte, sie sei zur Betonung geeignet wird als Schreien
interpretiert, und Schreien gilt natürlich als unhöflich:
"Capitalizing whole words that are not titles is generally termed as SHOUTING!" (Rinaldi 1994; 1996).
Hier zeigt sich bereits das in der Literatur zu E-Mail vieldiskutierte Phänomen, dass E-Briefschreiber das Bedürfnis haben, den von der zeitversetzten, schriftlichen Rede her gegebenen Rahmen zu sprengen und z.B. Mimik, Gestik und Intonation (hier: Lautstärke) mit einzubeziehen. Das Inventar der dafür benutzten Ausdrucksmittel, z.B. Emoticons, und deren semiotischer Status sind in der Literatur zur Internet-Kommunikation schon beschrieben; dasselbe gilt für die internet-spezifischen Abkürzungen (vgl. z.B. Lenke/Schmitz, 1995; Günther/Wyss, 1996; Hess-Lüttich, 1997). Die Netiketten enthalten meist eine Reihe der wichtigsten Abkürzungen, die es den Newbies erleichtern dürften, E-Briefe langjähriger Internet-Nutzer zu verstehen, und deren Verwendung ihnen selbst ein Gefühl von Gruppenzugehörigkeit verschafft.