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Abstracts Deutsche Sprache 2/99

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Felicitas Ledig

Die öffentliche Auseinandersetzung um die Rechtschreibreform von 1996

Abstract

Die öffentliche Auseinandersetzung um die Rechtschreibreform von 1996 bietet ein weitreichendes Spektrum von Argumenten pro und contra die Reform. Linguistische Argumente treten dabei häufig hinter soziale, pädagogische, traditionelle, sprachpolitische und ökonomische Gesichtspunkte zurück. Die Art der Argumentation geht vom rationalen Diskurs bis zu emotionalen Bekundungen, von sachlich fundierten Beurteilungen bis zu unqualifizierten Unterstellungen. Indem VertreterInnen vieler verschiedener Interessengruppen an die Öffentlichkeit gehen, wird die Reformdiskussion mehr und mehr zu einem Politikum und bleibt keine wissenschaftliche Entscheidung. Die Form der Berichterstattung in der Presse trägt dabei erheblich zur Meinungsbildung in der Bevölkerung bei.

Im vorliegenden Aufsatz wird die öffentliche Auseinandersetzung anhand der Auswertung der Darstellung der Rechtschreibreform und der Diskussion um sie in verschiedenen Tageszeitungen und Magazinen untersucht. Dabei zeigt sich, dass das Muster der Argumentation seit über einem Jahrhundert weitgehend gleich ist und die meisten Argumente immer wiederkehren, da Rechtschreibung in unserer Gesellschaft offensichtlich mit über ihre eigentlichen Funktionen hinausgehenden sozialen Bedeutungen ausgestattet ist.

The public debate on the 1996 spelling reform offers an extensive range of arguments for and against reform. Linguistic arguments frequently take second place to social, educational, traditional, political and economic criteria. The manner of argumentation ranges from rational discourse to emotional statements, from well-reasoned evaluations to unfounded insinuations. As the representatives of many different interest groups go public, the reform debate becomes more and more political, and the decision is no longer based on linguistic criteria. The nature of reports in the press contributes substantially to the shaping of public opinion.

In this article, the public debate is examined on the basis of an analysis of descriptions of the spelling reform and the discussion on it in various daily papers and magazines. It is shown that the pattern of argumentation has remained largely unchanged over the last century and that most arguments turn up over and over again, since in our society spelling obviously has social meanings which go beyond its original functions.


Peter Rolf Lutzeier

Das "Wort"-Korpus

Fragen und Antworten zu seiner Rolle am Beispiel der Präposition um

Abstract

Der Beitrag bespricht die Rolle von Korpora für lexikologische Fragen. Dabei wird der Typ des "Wort"-Korpus eingeführt und dessen Verwendung zur Lösung von Problemen einzelner Lesarten und Konstruktionen lexikalischer Einheiten sowie von Problemen der polysemen Gesamtstruktur lexikalischer Einheiten diskutiert. Illustrationen erfolgen anhand eines vom Autoren erstellten "Wort"-Korpus zur Präposition um. Ein "Wort"-Korpus wird für sich allein zwar als ein notwendiges, aber keinesfalls als ein hinreichendes Forschungsinstrument in der Lexikologie und Lexikografie erkannt. Ein solches Korpus stellt sich jedoch insgesamt als ein nützliches Mittel im engen Zusammenspiel und Auseinandersetzung mit anderen methodologischen Ansätzen wie Feldanalyse, introspektive Gedankenarbeit und Wörterbucharbeit heraus.

This article discusses the role of corpora in the investigation of problems in lexicology. We introduce a new type of corpus, the "word" corpus, and discuss its usefulness for solving problems connected with individual senses of lexical items, particular syntagmatic constructions and lexical meaning in general. Illustrations are given throughout by means of our own "word" corpus for the German prepositum um. "Word" corpora turn out to be necessary but certainly not sufficient tools for research in lexicology and lexicography. All in all, such corpora should complement other familiar tools and methods such as lexical field analysis, work with dictionaries and intuition.


Daniel Perrin

Woher die Textbrüche kommen

Der Einfluss des Schreibprozesses auf die Sprache im Gebrauchstext

Abstract

Wie und wieso finden sprachliche Lücken, Brüche und Widersprüche in einen Text?- Dieser Aufsatz belegt den Einfluss des Schreibprozesses auf die Sprache eines journalistischen Gebrauchstextes. Kapitel 1 umreisst die angewandte Methode zum Erfassen von Schreibprozessen am Arbeitsplatz, die Progressionsanalyse. Kapitel 2 führt die Arbeitstechnik des Fallbeispiels vor, die buffergestützte Textreproduktion. Kapitel 3 zeigt die Spuren dieser Arbeitstechnik im fertigen Text, Kohärenzbrüche an den Nahtstellen des Patchworks.Für den vorgestellten Fall werden Zusammenhänge zwischen dem Arbeitsplatz, dem Repertoire der angewandten Schreibstrategien und der Sprache des Textprodukts sichtbar und bewertbar.

How and why do linguistic gaps, breaks and contradictions get into a text? This article demonstrates the influence of the writing process on the language of a journalistic text. Section 1 outlines the method used to record writing processes at the workplace, the progression analysis. Section 2 describes the technique employedin the example case, buffer-assisted text reproduction. Section 3 highlights the traces of this technique in the finished text, coherency breaks at seams of the patchwork. For the case under consideration connections between the workplace, the repertoire of writing strategies employed and the language of the final text become visible and assessable.


Silvana Simoska

Die morphologische und semantische Vielfalt des Adjektiv + Nomen-Kompositums

Abstract

Auf der theoretischen Grundlage des lexikalistischen Ansatzes werden sowohl lexikalisierte (sog. Lexikonwörter) als auch ad hoc gebildete (sog. Textwörter) deutsche Nominalkomposita des Typs Adjektiv+Nomen (A+N) unter morphonologischem, graphischem und semantischem Aspekt untersucht, um daraus semantische Muster zur Bildung weiterer solcher Komposita zu deduzieren.

The lexicalist approach serves as the theoretical basis for this study of German nominal compounds of the type adjective+noun (A+N). The study covers both lexicalized compounds (i.e. lexicon-words) and ad hoc compounds (i.e. text-words), and examines morphonological, graphical and semantic aspects in order to deduce semantic patterns which can be used for creating new words of the same type.