Wie werden schulische Identitäten von Seiteneinsteiger/-innen ko-konstruiert und in welchem Verhältnis stehen diese zu kollektiven Identitätszuschreibungen der gesamten Klasse? Diese Dissertation der Germanistischen Linguistik an der Schnittstelle zur Pädagogik beschäftigt sich mit Interaktion und Identität von Seiteneinsteiger/-innen im Regelunterricht der Sekundarstufe an zwei Schulen, einem privaten Gymnasium und einer Werkrealschule.
Ziel dieser Arbeit ist es, anhand einer Schülergruppe aufzuzeigen, inwiefern sich Bildungsungleichheit u. U. auch in interaktionaler Identitätsarbeit in unterschiedlichen Schultypen spiegelt. Im theoretischen Teil der Arbeit wird gezeigt, dass schulische Differenzdimensionen und solche, die insbesondere Seiteneinsteiger/-innen betreffen, in der Schule wirksam sind sowie in verschiedenen Schultypen unterschiedliche schulische Organisationsmilieus anzunehmen sind. Positionierungen lassen sich zudem als ergiebige Ressource für interaktionale Identitätsarbeit festhalten.
Die empirische Untersuchung greift auf den methodologischen Rahmen der interaktionalen Soziolinguistik zurück und arbeitet mit Fallstudien. Einzelfallanalysen zeigen, dass die Hervorbringung seiteneinsteiger-spezifischer Merkmale, der Grad der Unterrichtsbeteiligung und der Agency sowie Zugehörigkeitszuschreibungen verbindende Merkmale solcher Ko-Konstruktionen schulischer Identitäten darstellen. Dabei eröffnen kollektive Positionierungen einer Klasse einen Möglichkeits-raum für individuelle Positionierungen, wodurch interaktionale Identitätsarbeit wesentlich durch den jeweiligen schulischen Kontext und die dortigen strukturellen Setzungen geprägt ist.
Aus den kollektiven Positionierungen lassen sich zudem milieuprägende Muster rekonstruieren, die sich zu schulspezifischen Logiken verdichten. In deren funktionaler Einbettung wird sichtbar, dass Identitätsarbeit sowohl für die Erarbeitung fachlicher Inhalte als auch für das Klassenmanagement zentral ist und sich je nach Schultyp unterschiedlich organisiert.
Inhaltsverzeichnis
| Danksagung | S. 3 | ||
| 1. | Einleitung | S. 7 | |
| Teil A: Theoretischer Rahmen und relevante Forschungsstände | |||
| 2. | Perspektiven auf Seiteneinsteiger/-innen, Heterogenität, Bildungsungleichheit und ihre lokale Herstellung | S. 12 | |
| 3. | Analytische Perspektiven: Interaktionale Ko-Konstruktion schulischer Identitäten | S. 33 | |
| Teil B: Zielsetzung und Forschungsdesign | |||
| 4. | Fragestellung und methodologischer Rahmen | S. 48 | |
| 5. | Datengrundlage und analytisches Vorgehen | S. 52 | |
| Teil C: Identität durch Interaktion: Darstellung der empirischen Analyseergebnisse | |||
| 6. | Seiteneinsteiger/-innen im Unterricht am privaten Gymnasium | S. 72 | |
| 7. | Seiteneinsteiger/-innen im Unterricht der Werkrealschule | S. 158 | |
| Teil D: Erträge und Fazit | |||
| 8. | Interaktion und Identität: Fazit und Diskussion zu ko-konstruierten Identitäten in der Schule | S. 250 | |
| 9. | Interaktion und Identität: Erkenntnisse, Einordnung und Ausblick | S. 270 | |
| 10. | Literatur | S. 277 | |
| Hilfsmittel | S. 297 | ||
| Abbildungsverzeichnis | S. 297 | ||
| Beispielverzeichnis | S. 297 | ||
| Tabellenverzeichnis | S. 299 | ||