Sprache der Gegenwart

Schriften des Instituts für deutsche Sprache

Band 70:
Ballweg, Joachim: Die Semantik der deutschen Tempusformen. Eine indirekte Analyse im Rahmen einer temporal erweiterten Aussagelogik. 188 S. - Düsseldorf: Schwann-Bagel, 1988.

Dieser Band ist im IDS verfügbar:

[Buch] IDS-Bibliothek: Sig. MS 1004
[Online] IDS-Publikationsserver: urn:nbn:de:bsz:mh39-23241

Die Abhandlung entwickelt Schritt für Schritt die technischen Voraussetzungen einer Zeitlogik anhand der Probleme der Beschreibung des deutschen Tempussystems. Gleichzeitig wird die Begründung dafür gegeben, warum eine ausführliche Integration pragmatischer Überlegungen notwendig ist. Erst im zweiten Teil der Arbeit, wo ein voll entwickeltes zeitlogisches System zur Verfügung steht, wird dann eine Rekonstruktion des deutschen Tempussystems vorgenommen. Diese Rekonstruktion unterscheidet sich von anderen Arbeiten vor allem dadurch, daß sie strikt kompositional ist, d.h., daß alle zusammengesetzten Zeiten durch entsprechende Zusammensetzungen von Tempusoperatoren in der Zeitlogik rekonstruiert werden. Außerdem gibt es keine Varianten mehr.

Der entscheidende Prüfstein jeder Beschreibung des deutschen Tempussystems ist natürlich, daß sie mit dem leidigen Problem Präteritum vs. Präsens-Perfekt fertig werden muß. Die vorliegende Arbeit gibt eine Lösung dieses Problems, die nicht nur zeigt, unter welchen Bedingungen die beiden Tempora ausgetauscht werden können, sondern die darüber hinaus auch den Ansatz zu einer Erklärung dafür bereitstellt, warum in bestimmten regionalen Varianten des Standarddeutschen das Präteritum weitgehend vom Präsens-Perfekt verdrängt werden konnte. Die vorgeschlagene Lösung erlaubt es auch, die dem Perfekt oft zugeschriebenen Bedeutungszüge, die über reine Temporalität hinausgehen, zu rekonstruieren, allerdings nicht als Bestandteile der Semantik, sondern per pragmatischer Implikaturen.
Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß die vorliegende Arbeit auch zur Problematik des deutschen Futurs eine Lösung bietet, die seinem chamäleonartigen, zwischen Temporal und Modal schwankenden semantischen Verhalten gerecht wird, ohne dabei das Kind mit dem Bade auszuschütten und das Futur aus dem Kreis der deutschen Tempora auszuschließen.

Inhaltsverzeichnis

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1.   Methodische Vorüberlegungen S. 11
2.   Logische Rekonstruktion der deutschen Tempora S. 21
3.   Deutsche Tempussemantik und Zeitlogik mit Verzweigung S. 84
4.   Lose Enden S. 141
5.   Die Ernte: Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse S. 177
 
Anmerkungen S. 181
Literatur S. 185

Rezensionen

  • Kick, Markus (1988): Rezension von: Joachim Ballweg: Die Semantik der deutschen Tempusformen. (Sprache der Gegenwart 70). In: Info DaF 15.5/6. München: iudicium. S. 493-494.