Material:
Formale Übereinstimmungen zwischen Netiketten und dem Knigge

1. Gliederung

... bei Knigge

"Über den Umgang mit Menschen" weist eine Grobgliederung in 3 Teile auf. Die Inhalte dieser Teile spezifiziert Knigge auf S.135:
- Teil 1 enthält "Bemerkungen über den Umgang mit Menschen von allerlei Art", ist also das, was wir im Text als allgemeinen Teil charakterisiert haben, der erstaunliche inhaltliche Übereinstimmungen mit den Netiketten aufweist.
- Teil 2 behandelt die Verhaltensweisen, die "die manngifaltigen natürlichen, häuslichen und bürgerlichen Verbindungen [...] erfordern". Da dieser Teil gesellschaftliche Konstellationen beschreibt, die im Laufe der letzten 2 Jahrhunderten tiefgreifenden Veränderungen unterworfen waren, können wir hier inhaltlich keine Übereinstimmungen erwarten.
- Gleiches gilt für Teil 3. Dieser "wird die Pflichten entwickeln, die uns Stand, bürgerliche Verbindung, Konvenienz und alle übrigen zusammengesetzteren Verhältnisse auferlegen".

Die 3 Teile sind wiederum in durchnumerierte Kapitel untergliedert. Die Kapitelüberschriften spezifizieren das Thema des Kapitels, das jeweils eine spezielle Konstellation behandelt (z.B. "Über den Umgang mit und unter Verliebten" 2.Teil, 4. Kapitel).
... bei Netiketten
Auch die ausführlicheren Netiketten (d.h. solche, die sich über mehr als eine "Seite", ein Kapitel erstrecken) weisen eine klare Gliederung auf.

 

Beispiel: Vergleich
   
Kapiteleinteilung nach Knigge z.B. (aus Teil 2 u. 3):

Erstes Kapitel (Teil 2)
Von dem Umgange unter Personen verschiedenen Alters

Drittes Kapitel
Von dem Umgange unter Eheleuten

Sechstes Kapitel
Über den Umgang unter Freunden

Siebentes Kapitel
Über die Verhältnisse zwischen Herrn und Diener

Zweites Kapitel (Teil 3)
Über den Umgang mit Geringern

Die Netikette von Arlene Rinaldi ist schon seit ihrer ersten Version von 1992 nach Diensten des Internet gegliedert:

...
- Telnet Protocol
- Anonymous ftp - File Transfer Protocol
- Electronic Communications
- Listserv and Mailing List Discussion Groups
Die Netikette von Sally Hambridge folgt einem ähnlichen, aber abstrakteren Muster, sie unterteilt grob in:

2.0. One-to-One Communication
3.0. One-to-Many Communication
4.0. Information Services

2. Numerierung

Eine weitere Möglichkeit formaler Gliederung wird sowohl von Knigge als auch in vielen Netiketten genutzt: die einzelnen Regeln sind durchnumeriert.

 

Beispiel: Vergleich
   
Durchnumerierte Regeln bei Knigge
(Teil 1, Kap. 1, s. S. 409):

1) Jeder Mensch muß sich in der Welt selbst geltend machen.
2) Strebe nach Vollkommenheit, aber nicht nach dem Scheine der Vollkommenheit!
3) Sei nicht zu sehr ein Sklave der Meinung andrer!
4) Enthülle nicht die Schwächen Deiner Nebenmenschen!
5) Eigne Dir nicht das Verdienst andrer zu!
6) Verbirg Deinen Kummer!
7) Rühme nicht zu laut Dein Glück!
8) Verliere nicht die Zuversicht!
9) Suche Gegenwart des Geistes zu haben!
10) Nimm, so wenig als möglich, von anderen Wohltaten an!

Durchnumerierte Regeln bei Netiketten,
- z.B. die "Core Rules" von Virginia Shea

Rule 1: Remember the Human
Rule 2: Adhere to the same standards of behavior online that you follow in real life
Rule 3: Know where you are in cyberspace

- z.B. die "Ten Commandments" von Arlene H. Rinaldi

1. Thou shalt not use a computer to harm other people.
2. Thou shalt not interfere with other people's computer work.
3. Thou shalt not snoop around in other people's files.


3. Faustregeln

Mit dem Begriff 'Faustregel' soll hier die Satzform umschrieben werden, die sowohl Knigge als auch Autorinnen von Netiketten vornehmlich benutzen: Die Sätze sind relativ kurz (oft unter 10 Wörtern), bestehen meist aus nur einem Hauptsatz. Der Imperativ wird im Deutschen entsprechend mit einem Ausrufungszeichen beendet, im Englischen nicht. Der Imperativ gibt den Faustregeln einen gewissen verpflichtenden Charakter, die Kürze der Sätze vergrößert ihre Prägnanz und Einprägsamkeit.

Als Beispiele: vgl. die Aufzählung zu inhaltliche Übereinstimmungen.

 

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