Netiquette - fuer die Menschen im Usenet

Die Menschen am Netz

Das Usenet ist kein Netz sondern eine Gemeinschaft. Es besteht nicht aus Computern und Kabeln, sondern aus mehreren Millionen Menschen in aller Welt, die das Internet und andere Computer-Netze dazu benuetzen, um Informationen auszutauschen.

Sie werden wahrscheinlich bald bemerken, dass sich in einer so grossen Menschenmenge leider nicht immer alle so kultiviert, hilfreich und freundlich verhalten, wie man sich wuenschen wuerde.

Die folgenden Hinweise sollen Ihnen helfen, diesbezuegliche Fehler zu vermeiden und das Usenet erfolgreich zu nuetzen. 

Lesen Sie die Dokumentationen

(RTFM = Read The Fine Manual)

Es ist nicht guenstig, eine Frage an Millionen Menschen in aller Welt zu senden, wenn Sie die Antwort in Ihren eigenen Manuals oder Online-Dokumentationen nachschlagen koennen. Es geht schneller und das Ergebnis ist meist auch zuverlaessiger, wenn Sie die Help-Funktion ihres Programms (h, Fragezeichen, F1 oder dergleichen) oder den Unix-Befehl "man" verwenden.

Es ist auch nicht zielfuehrend, bei Fragen, die zum Beispiel die Organisation oder die Software-Konfiguration innerhalb einer Universitaet betreffen, Hilfe von Leuten in aller Welt zu erwarten. Dafuer ist eine Anfrage im EDV-Zentrum oder Institut wohl besser geeignet als eine Usenet-Diskussion. 

Wiederholen Sie nicht altbekannte Fragen

(FAQ = Frequently Asked Questions)

Das Usenet besteht ueberwiegend aus Leuten, die etwas Neues durch das Lesen von interessanten Fragen, Antworten und Diskussionen lernen wollen; sie wollen aber nicht immer wieder und wieder dieselben Anfaenger-Fragen lesen, die fuer sie schon laengst "alte Huete" sind.

Andererseits sind fuer neue Gruppen-Teilnehmer gerade diese am haeufigsten gestellten Fragen wichtig.

Zu diesem Zweck wurden von hilfreichen Leuten sogenannte FAQ-Listen (haeufig gestellte Fragen und die richtigen Antworten darauf) fuer die verschiedensten Themenbereiche zusammengestellt. Diese FAQ-Listen werden regelmaessig (meist monatlich) in der jeweiligen Newsgruppe veroeffentlicht sowie in der speziellen Newsgruppe news.answers gesammelt. Sie koennen auf die FAQ-Listen auch innerhalb von manchen anderen Informationssystemen oder mit FTP zugreifen.

Solche FAQ-Listen zu lesen, kann uebrigens auch dann sehr lehrreich sein, wenn Sie gar nicht vorhaben, an Diskussionen in der Newsgruppe aktiv teilzunehmen. 

Erst lesen, dann schreiben

Bevor Sie eine Frage an das Netz senden, sollten Sie immer zuerst nachschauen, ob diese Frage nicht schon von jemand anderem in dieser Newsgruppe gestellt wurde und ob ihre Antwort nicht schon in der FAQ-Liste zu finden ist.

Bevor Sie eine Antwort an das Netz senden, sollten Sie immer zuerst nachschauen, ob nicht schon jemand anderer diese Frage richtig beantwortet hat. 

Das gute Benehmen

(Netiquette = die Netz-Etiquette)

Bedenken Sie, dass alles, was Sie an das Netz senden, von Millionen Menschen in aller Welt gelesen wird, darunter vielleicht auch von Ihrem besten Freund oder von Ihrem zukuenftigen Chef.

Wenn Sie erfolgreich mit dieser Menschen-Gruppe kommunizieren wollen, muessen Sie deren Konventionen und Spielregeln einhalten. Diese Regeln und viele nuetzliche Hinweise wurden von erfahrenen Netz-Benutzern zusammengestellt und in der Newsgruppe news.announce.newusers veroeffentlicht. Hier wollen wir die wichtigsten anfuehren:

Test-Sendungen und Live-Uebertragungen

Wenn Sie ausprobieren wollen, ob Ihre Usenet-Verbindung funktioniert, dann senden Sie Test-Postings bitte nicht in eine Diskussions-Gruppe sondern nur in eine der speziell dafuer eingerichteten Test-Gruppen, z.B. in die Oesterreich-weite Gruppe at.test, in die deutsche Test-Gruppe de.test oder in einer der weltweiten Test-Gruppen alt.test und misc.test. Dann stoeren Sie nicht die fachlichen Diskussionen, und Sie erhalten automatische Mail-Messages, die Ihnen angeben, ob und wie rasch Ihre Test-Message ueber das Usenet verteilt wurde. 

Fallen Sie nicht auf Tricks herein

Bevor Sie auf einen Usenet-Artikel reagieren, ueberlegen Sie, ob er vielleicht humorvoll oder satirisch gemeint war, und das nicht nur rund um den 1. April. Wenn z.B. jemand den Unix-Befehl "rm -rf *" empfiehlt, fuehren Sie ihn bitte trotzdem nicht aus (Sie wuerden damit alle Ihre Files loeschen). Aehnliches gilt fuer den Rat, ein Programm auf dem FTP-Server 127.0.0.1 zu suchen (das ist naemlich Ihr eigener Computer), und fuer Artikel von bekannten Spassvoegeln wie z.B. Herrn "Kibo".

Umgekehrt sollten Sie selbst, um alle Missverstaendnisse zu vermeiden, immer mit dem Smiley-Symbol :-) kennzeichnen, wenn Sie etwas humorvoll oder sarkastisch meinen.

Auch auf die schon seit Urzeiten ueber das Netz geisternden Kettenbriefe von David Rhodes ("make money fast") und Craig Shergold (der laengst nicht mehr im Spital liegt) und aehnlichen Nonsense sollten Sie nicht reagieren.

Manchmal verwenden Leute das Usenet leider auch fuer unfaire Tricks. Hier ein paar Beispiele mit Hinweisen zur Vermeidung:

  1. Jemand schreibt: "Bitte machen Sie meinem Freund, der morgen Geburtstag hat, eine Freude und senden Sie ihm Geburtstagsgruesse an seine Mail-Adresse xxx@yyy." Bitte, befolgen Sie das nicht: Selbst wenn nur ein Hundertstel der Usenet-Leser diesen Rat befolgt, bekommt der arme Mensch viele tausend Mails in seine Mailbox und vielleicht sogar einen System-Absturz wegen zu voller Disk ("Mailbomb").
  2. Jemand schreibt eine absichtlich dumme Frage (z.B. "Wie kann ich Logout machen?") und verwendet als Subject einen Stern. Wenn Sie das in Ihr Kill-File einfuegen, um von dieser dummen Frage verschont zu werden, haben Sie den Stern als Wildcard fuer das Subject im Kill-File und Sie bekommen ueberhaupt keine Usenet-News mehr zu sehen.
  3. Jemand schreibt eine absichtlich provokante Meldung und fuegt in den Followups-Header die Test-Gruppe alt.test ein. Wenn Sie darauf antworten, wird das als weltweiter Test interpretiert und Sie bekommen viele Test-Ergebnisse in Ihre Mailbox. Kontrollieren Sie deshalb vor dem Absenden immer den Inhalt der Newsgroups-Header-Zeile.
  4. Erfahrene Systemprogrammierer kennen Wege, falsche Namen oder Mail-Adressen im From-Header anzugeben. Wenn Sie eine besonders laestige Meldung sehen, muss diese also nicht unbedingt vom angegebenen Autor stammen. Erfahrene Benutzer koennen solche Faelschungen auf Grund des Path-Headers erkennen und auf den echten Ursprung zurueckfuehren, auch solche Luegen haben also "kurze Beine".
Natuerlich werden Sie selbst niemals solche Tricks anwenden, das koennte naemlich zur Sperre Ihrer Benutzungs-Bewilligung oder sogar des gesamten Netz-Zugangs Ihrer Organisation fuehren!

Bitte,

helfen Sie mit, dass das Usenet trotz der staendigen Ausweitung auf neue Mitglieder das bleibt, was es ist:
eine nuetzliche, hilfreiche und freundschaftliche menschliche Gemeinschaft!
Hubert Partl