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Kommunikation in der Stadt

Herrn Oberbürgermeister Gerhard Widder wurde im Dezember in einer kleinen Feierstunde im IDS das vierbändige Werk "Kommunikation in der Stadt", das beim Verlag de Gruyter (Berlin) erschienen ist, überreicht.

In einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Werner Kallmeyer wurde das Sprechverhalten von Bewohnergruppen in mehreren Mannheimer Stadtteilen zehn Jahre lang untersucht. Dieses umfangreiche sprachwissenschaftliche IDS-Projekt wurde mit Erscheinen des letzten Ergebnisbandes abgeschlossen.

Das Mannheimer Stadtprojekt war eine relativ breit und langfristig angelegte soziolinguistische Untersuchung von ausgewählten Stadtvierteln in Mannheim. Mit den ersten Beobachtungen wurde 1981 begonnen. In den Folgejahren ist das Sprachverhalten von Bewohnergruppen in mehreren Stadtteilen intensiv beobachtet und analysiert worden. Die soziolinguistische Analyse stützt sich dabei auf ein umfangreiches Korpus von Gesprächsaufnahmen und zusätzlich von freien Interviews. Im folgenden wird der Inhalt der vier Bände kurz beschrieben:

Kommunikation in der Stadt in der Reihe Schriften des Instituts für deutsche Sprache

Band 1: Exemplarische Analysen des Sprachverhaltens in Mannheim

Der erste Band stellt das Projekt vor und gibt anhand exemplarischer Analysen des Sprachverhaltens in Mannheim Einblick in das soziolinguistische Untersuchungsprogramm, seine Methodik und die zu gewinnenden Ergebnisse. Analysiert werden Gespräche von Stadtbewohnern in der Kneipe, beim Kaffeeklatsch, auf der Straße. Zu beobachten sind in diesen Gesprächen die verschiedenen Varianten der Mannheimer Umgangssprache, die sprachlichen Verkehrsformen der Städter und auch ihr Sprachwitz, die alltägliche "Unterhaltungskunst".

Band 2: Ethnographien von Mannheimer Stadtteilen

Eine soziolinguistische Analyse des Sprachverhaltens setzt die gründliche Kenntnis des sozialen Kontextes voraus. Man muß wissen, wer die Sprecher sind, worüber sie reden und auch worüber sie nicht reden, wie ihre gesellschaftliche Umgebung aussieht, wie ihre Stellung in der Gesellschaft ist und wie sie die Gesellschaft sehen. Diese Kenntnis haben sich die Mitglieder der Projektgruppe durch eingehende Beobachtung des "Lebens in Mannheim", genauer: in einer Reihe von Mannheimer Stadtvierteln, verschafft. Für zwei Stadtviertel wird das Ergebnis dieser Beobachtungen als "Panorama"-Darstellung publiziert. Die Stadtviertel werden in ethnographischen Beschreibungen vorgestellt, d.h. aus der Sicht von teilnehmenden Beobachtern, die versuchen, sich ein authentisches Bild der sozialen Ordnung, des Lebensrhythmus, der Kommunikationsformen einer Gesellschaft zu machen. Ethnographie ist ein Verfahren der intensiven, präzisen Beobachtung und der allmählichen Entschlüsselung der wahrgenommenen Ergebnisformen.

Band 3: Stilistik einer sozialen Welt "kleiner Leute" in der Mannheimer Innenstadt

Der Band enthält ein sehr feinkörniges soziolinguistisches "Gruppenporträt". Am Beispiel einer Gruppe älterer Frauen wird die kommunikative Stilistik einer charakteristischen Sozialwelt der Mannheimer Innenstadt dargestellt. Die Gruppenmitglieder wurden über mehrere Jahre beim lokalen Freizeitleben, bei der täglichen Versorgung und bei der Organisation des lokalen Lebens beobachtet. Auf einer sehr breiten Materialgrundlage werden unterschiedliche Aspekte des sprachlichen Verhaltens beschrieben. Dabei wird die verwendete Sprache, die soziale Bewertung der eigenen und der fremden Sprache und die Integration unterschiedlicher Ausdrucksformen zum Gesamtbild charakteristischer Stile sprachlichen Verhaltens dargestellt.

Band 4: Kommunikative Stilistik von zwei Sozialwelten in Mannheim-Vogelstang

Dieser Band enthält die soziolinguistischen Porträts von zwei Gruppen aus dem Neubauviertel Mannheim-Vogelstang. Anhand der Gruppen werden eine soziale Welt des gebildeten Bürgertums und eine spezifische Sozialwelt der politischen Frauenemanzipation hinsichtlich ihrer kommunikativen Stilistik untersucht.

Bibliographische Angaben zu den Bänden