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Abstracts Deutsche Sprache 2/98

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Andreas Lötscher

Die textlinguistische Interpretation von Relativsätzen

Abstract

Gewisse Relativsatztypen, z.B. nicht-restriktive Relativsätze, erhalten im Text eine relativ selbständige textfunktionale Interpretation. Dieser Aufsatz versucht, präziser als bisherige Darstellungen einen konsistenten Rahmen zur Erklärung solcher Interpretationen zu formulieren. Leitende Annahmen dabei sind: Textfunktionen sind als Textillokutionen darzustellen; Relativsätzen wird auf der pragmatischen Ebene über Implikaturen eine Textfunktion zugeordnet; diese Funktionen sind grundsätzlich nicht verschieden von Textfunktionen, die auch Hauptsätze erhalten können. Textgrammatische Verwendungsunterschiede zwischen Hauptsätzen und Relativsätzen ergeben sich aus zusätzlichen, unabhängigen Regeln über die Verknüpfbarkeit von Texteinheiten und spezifischen grammatisch-semantischen Eigenschaften von Relativsätzen.

Certain types of relative clauses, such as non-restrictive relative clauses, are interpreted as having their own function on the level of textual structure. In this paper, a framework for such an interpretation is presented which attempts to be more precise than earlier proposals. The description is guided by the following assumptions: textual functions of utterances are defined in terms of textual illocutions; relatve clauses receive a textual interpretation by implicatures; their textual functions are basically the same as those of main clauses. Functional differences between relative clauses and main clauses are due to additional conditions for the combination of textual units and specific grammatical and semantic conditions for the interpretation of relative clauses.


Thomas Schröder

Textstrukturen aus integrativer Sicht

Eine kritische Bestandsaufnahme zur Textstrukturendiskussion

Abstract

An linguistischen Modellen für die Beschreibung von Textstrukturen herrscht kein Mangel. Dennoch gibt es bis heute kein Modell, das in der Lage wäre, das Zusammenspiel der verschiedenen Strukturebenen in einem Text angemessen zu erfassen und in ein integratives Analysemodell umzusetzen. Das Illokutionsstrukturmodell reduziert die Handlungsstruktur von Texten im wesentlichen auf dependentielle Beziehungen zwischen Einzelhandlungen. Ansätze, mit denen die thematische Struktur beschrieben werden soll, kranken grundlegend an einem unklaren und vor allem nicht textspezifischen Thema-Begriff. Die Beschreibung von referentiellen Strukturen führt zu eigenständigen Strukturebenen, die höchstens ansatzweise auf eine Gesamtstruktur des Textes bezogen sind. Als Desiderat erweist sich somit die Entwicklung eines textgemäßen Handlungsbegriffs, der Texte und ihre Konstituenten als funktionale und thematische Einheiten auffaßt und der vor allem das Verstehen von Texten und ihrer Strukturierung in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt.

There ist no shortage of linguistic models for the description of text structures. However, there is still no model which adequately describes the interplay of the different structural levels in a text and has the capacity of capture them in an integrative analytical model. The illocational structure model reduces the actional structure of texts of the dependency relations between individual actions. Approaches which attempt to describe the thematic structure suffer from the fundamental weakness that their concept of theme is unclear and in particular that it is not text-specific. The description of referential structures leads to independent structure levels which are at best loosely related to the text structure as a whole. There is thus a need to develop a concept of action which is appropriate to texts, which views texts and their constituents as functional and thematic units, and which in particular focuses on the understanding of texts and their structuring.


Ursula Brauße

Was ist Adversativität? aber oder und?

Abstract

Gegensätze oder Kontraste können sprachlich durch Wortpaare ausgedrückt werden wie Anfang : Ende, kommen : gehen, heiß : kalt, oben : unten. Auch zwischen Sätzen kann ein Bedeutungsgegensatz bestehen, besonders, wenn sie solche Wortpaare enthalten, die in semantischer Opposition zu einander stehen: Hans ist groß, Fritz ist klein. Werden diese Sätze durch einen Konnektor verknüpft, stehen verschiedene zur Verfügung: sowohl die adversativen wie aber, die einen Gegensatz zwischen Sätzen zum Ausdruck bringen, als auch additive wie und, die ausdrücken, daß ein Zusammenhang zwischen beiden Sätzen gesehen wird. Das Bestehen einer Gegensatzrelation ist also nicht unbedingt aus den Satzbedeutungen erschließbar.

Nur in der Lexik ist die Gegensatzrelation mit Mitteln der Semantik bestimmbar, auf der Ebene des Satzes ist der Begriff des Gegensatzes rein semantisch nicht zu definieren.

Opposites or contrasts can be expressed by word pairs such as beginning : end, come : go, hot : cold, up : down. Semantic contrasts can exist between sentences too, expecially whey they contain pairs of words like these which are in semantic opposition to one another: John is tall, Fred is small. If these sentences are linked by a connector, there are various items to choose from: both the adversative connectors like aber, which express a contrast between sentences, and the additive ones like und, which express the fact that there is a connection between the sentences. The existence of a contrast is thus not necessarily apparent from the sentence meanings.

It is only at the lexical level that contrasts can be determined semantically. At the level of the sentence, the concept of contrast cannot be defined by purely semantiac means.


Akio Ogawe

Zur Syntax und Semantik von Partikelverben

Abstract

Der vorliegende Aufsatz soll dazu beitragen, die Syntax und Semantik von Partikelverben herauszuarbeiten. Zwei Annahmen werden aufgestellt: i) die Verbpartikel stellt syntaktisch einen Phrasenstatus dar; ii) sie setzt semantisch eine engere Relation zwischen der einschlägigen Entität und dem Verbalprädikat voraus als z.B. eine Präpositionalphrase. Diese beiden Annahmen werden anhand empirischer Daten erläutert und auf ihre Tragfähigkeit hin überprüft. Letztlich kann behauptet werden, daß die Syntax und die Semantik von Partikelverben zueinander in "ikonischem" Verhältnis stehen.

This article makes a contribution towards establishing the syntax and semantics of particle verbs in German. Two hypotheses are formulated: i) syntactically the verb particle represents a phrasal status; ii) semantically it presupposes a closer relationship between the entity in question and the verbal predicate than for example a prepositional phrase does. Both hypotheses are illustrated by empirical data and their validity is examined. Finally it is claimed that the syntax and the semantics of particle verbs have an "iconical" relationship to one another.


Anne-Katrin Gramberg

Persuasionsstrategien im kulturellen Kontext: Diskursanalyse deutscher und nordamerikanischer Automobilwerbeanzeigen

Abstract

Die vorliegende Untersuchung analysiert die Anwendung von bestimmten Sprechakten und ihrer intendierten Wirkung im Texttyp Anzeigenwerbung und wertet vergleichend Realisationsformen des persuasiven Konversationsstils in nordamerikanischen und deutschen Automobilwerbeanzeigen aus. Da die Aufgabe der Werbung die Absatzförderung ist, und sie daher per definitionem durch die Anwesenheit einer Kaufaufforderung bestimmt wird, konzentriert sich dieser Artikel insbesondere auf die Analyse der Direktiva; die Kaufaufforderungen wurden ihrem Direktheitsgrad entsprechend in vergleichbare Kategorien eingestuft. Aus der Untersuchung ergab sich zum Beispiel, daß in den amerikanischen Werbeanzeigen direktere Formen der Kaufaufforderung häufiger realisiert wurden. Das Untersuchungskorpus besteht aus 100 individuellen Anzeigen der Automobilwerbung, die jeweils zur Hälfte dem deutschen Magazin 'Stern' und dem amerikanischen Magazin 'Time' entnommen wurden.

This study analyses speech acts reflected in German and American print ads. By definition, every advertisement must include a directive to buy, either explicit or implicit. Therefore, directives play a central role in the analysis. Although German and English share certain structural similarities, their usuage of these structures differs by the type of linguistic devices and degree to which each language modifies the basic structure. A scale of directness levels was established in order to provide a foundation for systematic comparative analysis. The analysis of German and American print ads showed, for example, that propositions expressed in the German ads are more removed from their illocutionary function. Direct requests to buy are less present in German print ads than in their American counterparts. Linguistic data was collected from two compatible print sources: the German magazine 'Stern' and the American magazine 'Time'. 100 different print ads have been included in analysis.