Abstracts Deutsche Sprache 4/12

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Reinhard Fiehler

Grammatische Konstruktionen und Formulierungsverfahren als Ressourcen für die Analyse von Gesprächsbeiträgen

Abstract

Die Fallanalyse untersucht vier Gesprächsausschnitte und verdeutlicht ihren Aufbau aus funktionalen Einheiten. Sie beschreibt die bei ihrer Produktion angewandten Formulierungsverfahren und leitet so die in den Gesprächsbeiträgen vorfindbaren grammatischen Besonderheiten (u.a. Korrekturen, Verbspitzenstellung, "elliptische" Äußerungsformate) aus den Produktionsbedingungen gesprochener Sprache sowie den Zwecken ihrer situationsspezifischen Verwendung her. Zentral für die Analyse ist, das Bedeutungspotenzial zu bestimmen, das - neben dem sukzessiven Aufbau der verbalen Bedeutung - durch die Art und Weise der Hervorbringung der Äußerungen (z.B. Formulierungsschwierigkeiten, Pausen, Intonation) kommuniziert wird. Die grammatische Struktur wird damit als eine Ressource zur Interpretation der Gesprächsbeiträge genutzt.

This case study examines sections of four conversations and illustrates how they are constructed from functional units. It describes the formulation processes used in their production and thus traces any unusual grammatical features to be found in the conversations (including corrections, verb fronting, "elliptical" utterances) back to the production conditions of spoken language and to the purpose of their use in specific situations. A central aim of the analysis is to determine the semantic potential, which - in addition to the successive construction of the verbal meaning - is communicated by the manner in which the utterances are produced (e.g. problems of formulation, pauses, intonation). The grammatical structure is used as a resource for interpreting the conversational turns.


Ralf Knöbl

Verbalsprachliche Indizierungsmittel im Unterricht bei der Bearbeitung lehrerseitiger Aufgaben

Abstract

Der Beitrag untersucht aus interpretativ-soziolinguistischer Perspektive die verbalen Ressourcen, die ein Lehrer bei der Bearbeitung von kommunikativen Handlungsanforderungen im Unterricht einsetzt. Dabei wird insbesondere der Gebrauch segmentalphonetischer, prosodischer und sprachwahlbezogener Indizierungsmittel analysiert, und zwar einerseits in Bezug auf unterrichtstypische Anforderungen der Interaktionsorganisation sowie andererseits im Rahmen einer nicht rekurrenten und für den Lehrer merklich unerwarteten Anforderung, die bei der untersuchten Unterrichtsinteraktion entsteht.

This article examines the verbal resources used by a teacher when processing communicative action requests in the classroom from an interpretative sociolinguistic perspective. In particular, it analyses the use of segmental phonetic and prosodic indexical means as well as interlingual code-switching in two ways: on the one hand in relation to the typical requirements placed on the organisation of interaction in teaching situations, and secondly in the context of a non-recurrent request occurring in the teaching interaction studied here which was clearly not expected by the teacher.


Ulrich Reitemeier

Ethnische Identität als Themenpotenzial im Unterricht

Abstract

Dieser Beitrag befasst sich mit der Passage der Videoaufzeichnung, in der der Einsatz ausländischer Spieler in der Fußballnationalmannschaft thematisch wird. Aus ethnografisch-interaktionsanalytischer Perspektive wird die kommunikative Entfaltung und Verarbeitung dieser unterrichtsfernen Thematik untersucht. Herausgearbeitet werden zum einen die Orientierungsrelevanzen, die Schüler mit Migrationsbiografien in diesem "Ausländerdiskurs" verfolgen. Zum anderen werden die situationsverändernden Implikationen dieses Diskurses mit Bezug auf rollenspezifische Anforderungen an das Lehrerhandeln aufgezeigt.

This article examines the passage dealing with the use of foreign players in the national team. The communicative development and processing of this topic, which is not usually treated in the classroom, is investigated from the perspective of ethnographic interaction analysis. Two points are brought out: firstly the strategies of orientational relevance which students with migrant backgrounds follow in this "alien discourse", and secondly how the implications of this discourse change the situation with regard to the role-specific requirements of teacher behaviour.


Reinhold Schmitt

Zur Multimodalität von Unterstützungsinteraktion

Abstract

Die Fallanalyse rekonstruiert aus multimodaler Perspektive eine Unterstützungsinteraktion im Unterricht. Die Unterstützung wird dabei als gemeinsame Herstellung des daran beteiligten Schülers und Lehrers konzeptualisiert. Es werden detailliert die vom Schüler produzierten Hinweise auf seine "Hilfsbedürftigkeit" und die vom Lehrer eingesetzten Ressourcen bei seiner Hilfeleistung konstitutionsanalytisch rekonstruiert. In der falltranszendierenden Theoretisierung wird mit Bezug auf das gesprächsrhetorische Konzept "Unterstützen" die Spezifik interaktiver Hilfeleistungen im Unterricht als konstitutive Anforderung an das professionelle Handeln von Lehrer/innen reflektiert.

This single case analysis reconstructs supportive interaction in the classroom from a multimodal perspective. The support is conceptualised as a joint activity of the participating pupil and teacher. The article analyses in detail how the pupil indicates his need for assistance and the resources used by the teacher in the assistance he gives. In theorising beyond the single case, the article reflects on the rhetorical concept of "support" and on the specifics of interactive assistance in the classroom as a constitutive requirement for the professional activity of teachers.