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Abstracts Deutsche Sprache 1/03

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Petra Storjohann

Computergestützte Lesartendisambiguierung

Abstract

Mit diesem Papier sollen LexikografInnen an ein Automatisierungstool der Textanalyse innerhalb der Korpuslinguistik herangeführt werden. Das am IDS entwickelte statistische Recherche- und Analysewerkzeug Cosmas bietet neue Zugänge zur Gewinnung semantischer Informationen über Wörter. Die Nutzungsmöglichkeiten dieses Instrumentariums für die Lesartendisambiguierung von Lexemen und deren Verifizierung mittels Kollokations- und Kontextanalyse werden erläutert, und anhand des Beispiels cool wird gezeigt, inwieweit sich semantische Informationen durch automatische Statistik extrahieren lassen. Dabei wird auf die Vor- und Nachteile der computerbasierten Analyse eingegangen. Darüber hinaus wird dargestellt, wie empirische lexikografische Disambiguierung modellgeleitet validiert werden kann. Um die Unterschiede zwischen herkömmlichen Beschreibungsmöglichkeiten und neuen statistischen Verfahren zu verdeutlichen, werden die Lesarten zu cool, wie sie im Duden GWDS (2000) dargestellt sind, mit den identifizierten Lesarten der Analyse mit Cosmas verglichen.

The purpose of this paper is to introduce lexicographers to a computational tool for automatic content analysis in corpus linguistics. Cosmas, an efficient statistical search and text analysis tool developed at the IDS offers new ways of obtaining semantic information about words. I shall demonstrate the enhanced disambiguation techniques provided by this instrument for analysing polysemous lexemes and show how the results can be validated with the help of collocational and contextual analyses. This will be exemplified by the word cool, which illustrates how far computational and statistical methods are able to generate semantic information. Furthermore, I shall seek to emphasise the advantages and disadvantages of statistical computer-based identification. I shall also discuss how empirical lexicographic disambiguation can be validated within a theoretical framework. In order to illuminate the differences between traditional semantic description and the use of computational tools for automatic analysis, I shall draw a comparison with the dictionary entry in the Duden GWDS (2000) for the lexeme cool.


Stefan Müller

Mehrfache Vorfeldbesetzung

Abstract

In diesem Aufsatz diskutiere ich Beispiele, die zeigen, dass im Deutschen mehrere Konstituenten im Vorfeld stehen können. Bei den im Vorfeld platzierten Konstituenten kann es sich um Elemente sehr verschiedener syntaktischer Kategorien und sehr verschiedener grammatischer Funktionen handeln. Die meisten Ansätze zur Beschreibung mehrfacher Vorfeldbesetzung können nicht den gesamten Datenbereich erklären. Nach einer ausführlichen Datendiskussion und der Diskussion bisheriger Analysevorschläge werde ich eine Analyse mit einem leeren verbalen Kopf vorschlagen. Adjunkte und Argumente können mit dem leeren verbalen Kopf eine komplexe Konstituente bilden, die dann die erste Stelle im Satz besetzt.

In this article, I will discuss some examples which illustrate that in German several constituents can occur in the so-called Vorfeld. The fronted constituents can be elements of very different syntactic categories and can fulfill various grammatical functions. Most approaches used to describe multiple fronting are not applicable to the entire scope of the data. After a detailled discussion of the data and the discussion of previous analytical methods, I will present an analysis with an empty verbal head. Adjuncts and arguments can form a complex constitutent with an empty verbal head which then takes the front position in a sentence.


Hilke Elsen

Neologismen in der Fachsprache der Linguistik

Abstract

Die vorliegende Studie betrachtet Wortbildungsmuster neuer Wörter in der Fachsprache der Linguistik und mögliche Zusammenhänge zwischen bevorzugten Mustern und speziellen Funktionen dieser Sprachvarietät. Es zeigt sich, dass es wie bei anderen Fachsprachen viele Komposita gibt. Allerdings gibt es auch relativ viele Bildungen mit Konfixen und Affixen griechisch-lateinischen Ursprungs.

This study analyses the word-formation patterns of new words in linguistic terminology and also possible interrelations between the preferred patterns and the special functions of this variety of German. It will be shown that, as in other specialist languages, there are a large number of compounds. However, the number of formations with confixes or affixes from Greek and Latin is also relatively high.


Elke Donalies

Hochzeitstorte, laskaparasol, elmas küpe, cow's milk, casa de campo, cigarette-filtre, ricasdueñas ...

Was ist eigentlich ein Kompositum?

Bertrand Russell schrieb einst ironisch: "Tiere, die von Amerikanern untersucht
werden, rennen hektisch herum, stellen dabei unglaublich viel Umtriebigkeit und
Schwung zur Schau und erzielen schließlich per Zufall das gewünschte Resultat.
Tiere, die von Deutschen beobachtet werden, sitzen still und denken nach und
entwickeln die Lösung schließlich aus ihrem inneren Bewusstsein heraus."
(Calvin 1998, S. 29)

Abstract

Sprachvergleich braucht sprachübergreifende Definitionen. In diesem Beitrag, der vor allem als kritische Durchsicht der Forschungsliteratur zu verstehen ist, wird eine solche übergreifende Definition vorgeschlagen: Ausgehend von deutschen Komposita wie Hochzeitstorte werden die traditionell in der Forschungsliteratur als Komposita interpretierten Kombinationen verschiedener europäischer Sprachen auf gemeinsame Merkmale hin überprüft. Ziel der Überprüfung ist eine für möglichst viele europäische Sprachen gleichermaßen plausible Definition des Kompositums.

Contrastive linguistics is in need of language independent definitions. This article will critically review contributions to the literature and also present a language independent definition. On the basis of German compounds such as Hochzeitstorte (wedding cake), lexical combinations of various European languages, which have been traditionally classified as compounds in linguistic literature, will be analysed by disclosing their common features. It is the objective of this investigation to come forward with a plausible definition of a compound which is equally applicable to many European languages.