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Abstracts Deutsche Sprache 2/00

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Kathrin Steyer

Usuelle Wortverbindungen des Deutschen

Linguistisches Konzept und lexikografische Möglichkeiten

Abstract

Der Artikel schlägt ein für lexikografische Zwecke adaptierbares linguistisches Modell von üblichen Wortverbindungen vor, das die verschiedenen Herangehensweisen der Idiomatikforschung integriert, das streng korpusbasiert ist und die Kontexte von Wortverbindungen konsequent einbezieht. Das Modul 'Usuelle Wortverbindungen des Deutschen' ist ein zentrales Konzept des IDS-Projektes "Wissen über Wörter", ein hypertextbasiertes, lexikalisch-lexikologisches Informationssystem, das in seinem Endausbau circa 300 000 Stichwörter enthalten wird. Korpusstatistische Kookkurenzanalysen stellen hierbei ein wichtiges lexikografisches Arbeitsinstrument für die Rekonstruktion von Lesarten, von semantischen Merkmalen und Eigenschaften der Lemmata dar. Usuelle Wortverbindungen (Kollokationen, Phraseologismen und andere nicht-idiomatische Wendungen) werden in diesem elektronischen Nachschlagewerk darüber hinaus selbst zum Gegenstand lexikografischer Beschreibung, zum einen als Kookkurrenzangaben zu jedem Einwortlemma und zum anderen in einem eigenständigen Artikeltyp 'Mehrwortlemma'. Schließlich bietet diese kookkurrenzbezogene Herangehensweise eine fundierte empirische Basis für linguistische Untersuchungen.

The article presents a linguistic model of frequent word combinations which is adaptable for lexicographical purposes, which integrates the different approaches of idiom research, which is strictly corpus-based, and which includes contexts of word combinations in a consistent way. The module 'Frequent word combinations in German' is a central concept of the IDS project "Wissen über Wörter" (Knowledge about Words), a hypertext-based, lexical-lexicological information system, which when completed will contain approx. 300,000 entries. Statistical co-occurrence analyses here represent an important lexicographical instrument for the reconstruction of variants, semantic features and the characteristics of headworks. Moreover, in this electronic reference work frequent word combinations (collocations, idioms and other non-idiomatic expressions) are themselves given lexicographical descriptions, on the one hand in the form of co-occurrence information about each single-word entry and on the other hand in their own type of article "multiple-word entry". Finally this co-occurrence-based approach offers a sound empirical base for linguistic research.


Stephan Habscheid

`Medium' in der Pragmatik

Eine kritische Bestandsaufnahme

Abstract

Medium kann in der pragmatischen Literatur vieles bedeuten, nur selten wird der Begriff intensional bestimmt oder kritisch diskutiert. Im vorliegenden Beitrag werden einschlägige Medienkonzepte in ihren theoretischen Kontexten dargestellt und im Rahmen einer sprachwissenschaftlichen Handlungs- bzw. einer instrumentalistischen Zeichentheorie zueinander und zu benachbarten Begriffen des gleichen Phänomenbereichs (z.B. `Symbol', `Kanal', `Kommunikationsform') in Beziehung gesetzt. Die Diskussion mündet in eine Spezifikation des Medienbegriffs auf technische Artefakte zur Herstellung / Modifikation, Speicherung, Übertragung oder Verteilung von Zeichen (im Sinne musterhafter Äußerungen), die bestimmte, im Vergleich zur sog. "direkten" Kommunikation erweiterte und / oder beschränkte Kommunikationsformen ermöglichen und die die mit ihnen kommunizierten Symbole sowie - mittelbar, im Rahmen institutioneller Ordnungen und soziokultureller Aneignungsprozesse - Strukturen der Wahrnehmung, Kognition, Erfahrung, Erinnerung und Gesellschaft prägen. Damit wird ein relativ homogener Phänomenbereich terminologisch ausgegliedert, der sich schlüssig binnendifferenzieren und, wie abschließend am Beispiel der `Neuen Medien' skizziert werden soll, zu zentralen Konzepten der pragmatischen Sprachwissenschaft in Beziehung setzen lässt.

Medium has many meanings in the literature on pragmatics, but only rarely does one find an intensional definition or a critical discussion of the term. In this article, relevant concepts of the medium are presented in their theoretical contexts and are set in relation to each other and to neighbouring terms of the same phenomenon area (e.g. 'symbol', 'channel', 'communication form') in the context of a linguistic action theory or an instrumentalist sign theory. The discussion leads to a specification of the term 'medium' for technical artefacts used in the production / modification, storage, transfer or distribution of signs (in the sense of expression patterns), which enable us to create certain communication forms which are either extended or restricted in comparison to so-called "direct" forms of communication. These artefacts influence both the symbols they communicate and also - indirectly, in the context of an institutional order and sociocultural processes of appropriation - structures of perception, cognition, experience, memory and society. We thus have the terminological definition of a relatively homogeneous phenomenon area which has a clear internal structure, and - as the final example of the 'new media' shows - can be related to central concepts of pragmatic linguistics.


Elke Donalies

Das Konfix

Zur Definition einer zentralen Einheit der deutschen Wortbildung

In memoriam Günter Dietrich Schmidt (gest. 13.12.1999)

Abstract

Im Deutschen steht zur Bildung von Wörtern neben dem Wort (z.B. Hut, gelb, gießen) und dem Wortbildungsaffix (z. B. -heit, -lich, un-) vor allem das Konfix zur Verfügung (z. B. bio-, invest-, phil-/-phil, -drom). Dass sich das Konfix zu einer der drei zentralen Wortbildungseinheiten der Allgemeinsprache entwickelt hat, ist sprachhistorisch relativ neu; daher wird es auch in der Forschungsliteratur erst seit den 80er Jahren zunehmend beachtet. Terminus und Begriff sind zwar inzwischen etabliert und werden von fast allen aktuellen Wortbildungsdarstellungen aufgegriffen. Bei der Beschreibung des Phänomens sind jedoch mittlerweile zahlreiche Verzerrungen und Missverständnisse entstanden; ein kritisch zusammenfassender Überblick fehlt. Diesen Überblick will der folgende Beitrag geben; er prüft die Notwendigkeit und Plausibilität des Begriffs Konfix auf dem Hintergrund der bisherigen Erkenntnisse und stellt eine weiterentwickelte Definition zur Diskussion: Konfixe sind danach durch ihre Gebundenheit von den Wörtern und durch ihre unmittelbare oder mittelbare Basisfähigkeit von den Affixen abzugrenzen. Kompositionsgliedfähigkeit hingegen ist zwar ein charakteristisches Merkmal der Konfixe, jedoch nicht als Definitionskriterium geeignet.

One of the principle means of word-formation in German - alongside the word (e.g. Hut, 'hat', gelb'yellow', gießen'to pour') and the word-formation affix (e.g. -heit, -lich, un-) - is the confix (e.g. bio-, invest-, phil-/-phil, -drom). The development of the confix into one of the three central word-formation units of the standarad language is historically a relatively new phenomenon; for this reason it did not attract attention in the literature until the 1980s. The term and the concept are now well-established and have been included in almost all current descriptions of word-formation. However, numerous distortions and misunderstandings have developed in the description of the phenomenon, and a critical survey is lacking. The following article aims to give this survey. It examines the necessity and plausibility of the term confix against the background of our present knowledge and suggests a refined definition, according to which confixes can be distinguished from words by their bound nature and from affixes by their direct or indirect ability to form bases. However, although their ability to form part of a compound is a characteristic feature of confixes, it is not suitable as a criterion for a definition.


Jun-Ku Cho

Vergleichende Analyse der Infinitivkonstruktionen und verwandter Ausdrucksformen im Deutschen und im Koreanischen

Abstract

In diesem Aufsatz geht es um eine Gegenüberstellung der deutschen Infinitivkonstruktionen und ihrer syntaktischen und semantischen Entsprechungen im Koreanischen. Dabei werden grammatische Restriktionen, wie etwa die Kasusmarkierung, und die semantischen Verhältnisse zwischen den regierenden Verben und den von ihnen abhängigen Verbalphrasen (Subjektimplikation, Diathese, Modalität und Zeitverhältnis) betrachtet. Untersucht wird der funktionale und illokutive Unterschied zwischen den beiden Sprachen bei der Verwendung solcher Konstruktionen. Er ergibt sich aus den Unterschieden in der Wortstellung (präpositional vs. postpositional), in der syntaktischen Verbindung (Partikel/Konjunktion vs. unvollständiges Substantiv), in der Bezeichnung der semantischen Verhält-nisse - wie etwa dem genus verbi (periphrastische Verbalphrase vs. Konjugationsmorphem) oder der Modalität (Modalverb vs. Konjugationsmorphem/unvollständiges Substantiv) - und in der syntaktischen Markierung (Implikation vs. Explikation).

This article is a constrastive study of German infinitive constructions and their syntactic and semantic equivalents in Korean. Grammatical restrictions are examined, for instance case marking and semantic relations between the governing verbs and the verb phrases dependent of them (subject implication, diathesis, modality and temporal relations). The functional and illocutive differences between the two languages in the use of such constructions are analysed. These result from differences in a number of aspects: word order (prepositional vs. postpositional), syntactic connections (particle/conjunction vs. incomplete noun), the expression of semantic relationships - for instance voice (periphrastic verb phrase vs. inflectional morpheme) or modality (modal verb vs. inflectional morpheme/incomplete noun) - an syntactic marking (implication vs. explication).