Veröffentlichungen im Verlag für Gesprächsforschung

Bendel Larcher, Sylvia: Interaktionsprofil und Persönlichkeit. Eine explorative Studie zum Zusammenhang von sprachlichem Verhalten und Persönlichkeit. Unter Mitarbeit von Domingo Valero. 218 S. - Göttingen: Verlag für Gesprächsforschung, 2021.
ISBN: 978-3-936656-80-0

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Die interdisziplinäre Studie untersucht den Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit von Personen und ihrer Art und Weise, sich in Interaktionen sprachlich zu verhalten. Dieser Zusammenhang wurde in der Gesprächsforschung noch nie untersucht.

Ausgangspunkt der Studie bildet die Beobachtung, dass Personen mit vergleichbaren soziodemografischen Merkmalen selbst in identischen Situationen sprachlich individuell verschieden agieren. Das führt zu der These, dass die Persönlichkeit neben empirisch bereits bestätigten Einflussfaktoren wie Alter, Herkunft und situativen Anforderungen ein weiterer Faktor ist, der sprachliches Handeln beeinflusst.

Um die These zu prüfen, wurden 24 Studierende in Vierergruppen gefilmt, während sie eine Aufgabe aus dem Unterricht lösten. Die Gespräche wurden transkribiert und in drei separaten Durchgängen annotiert. Annotiert wurde, wie sich die Studierenden am Gespräch beteiligen (Formen des Sprecherwechsels und Themensteuerung), welche Gesprächsbeiträge sie wie oft leisten (Fragen stellen, Argumentieren, Widersprechen etc.) und welche Stilmerkmale ihre Redebeiträge aufweisen (Verzögerungen, (un)gefüllte Pausen, Heckenausdrücke etc.).

Dieselben Studierenden füllten einen Persönlichkeitsfragebogen aus, mit welchem sich ihre Persönlichkeit nach dem HEXACO Modell erfassen lässt. Dann wurde statistisch geprüft, ob es Zusammenhänge zwischen dem interaktionalen Verhalten und einzelnen Persönlichkeitsdimensionen gibt. Es konnten viele Korrelationen gefunden werden, zum Beispiel dass gewissenhafte Personen einen durchschnittlichen Redeanteil aufweisen, selten unterbrechen, viele Hinweise zum Vorgehen geben, selten widersprechen, kaum lachen und viele Verzögerungen, Selbstreparaturen und Heckenausdrücke verwenden.

Dieselben Daten wurden verwendet, um von ausgewählten Studierenden individuelle Interaktionsprofile zu erstellen. Diese zeichnen von den Individuen aussergewöhnlich plastische Portraits ihres interaktionalen Verhaltens. Vergleiche zwischen Studierenden mit ähnlichem Persönlichkeitsprofil zeigen, dass ihre Interaktionsprofile trotz divergierender Gruppendynamiken mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufweisen.

Inhaltsverzeichnis

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1.   Einleitung S. 6
2.   Stand der Forschung S. 9
3.   Theoretische Fundierung der Studie S. 21
4.   Methodik S. 26
5.   Resultate S. 48
6.   Diskussion S. 90
7.   Anhang S. 101