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Linguistische Arbeiten

Band 378:
Penke, Martina: Die Grammatik des Agrammatismus. Eine linguistische Untersuchung zu Wortstellung und Flexion bei Broca-Aphasie. IX/267 S. - Tübingen: Niemeyer, 1998.
ISBN: 3-484-30378-6
Dieser Band ist im IDS verfügbar:
[Buch] IDS-Bibliothek: Sig. MB 1259
Alternatives Medium:
E-Book (PDF). Berlin / New York: de Gruyter. ISBN: 978-3-11-091468-9

Im Agrammatismus, einer Sprachstörung infolge einer Hirnschädigung, sind Wortstellung und Flexion beeinträchtigt. Diese Monographie legt eine empirische Studie zum Agrammatismus im Deutschen vor, die auf Spontansprachdaten und experimentell erhobenen Daten von elf Agrammatikern basiert. Im Zentrum der Studie steht die Frage, welche Komponenten der grammatischen Kompetenz im Agrammatismus geschädigt sind.

Die Studie zeigt, daß im Bereich der Wortstellung keine qualitativen Unterschiede zu normalsprachlichen grammatischen Repräsentationen vorliegen. Die Stellung des Verbs wird im Agrammatismus wie im normalsprachlichen System von der Finitheit des Verbs und dem Satztyp (Haupt-/Nebensatz) abhängig gemacht. Argumente konnten topikalisiert und mit Objektkasus markiert werden. Selektive Beeinträchtigungen kennzeichnen dagegen den Bereich der Flexion. Die wesentlichen Ergebnisse sind:

  1. das Default-Pluralflexiv -s ist geschädigt, die irregulären Pluralflexive sind erhalten;
  2. die reguläre Partizipflexion ist erhalten, die irreguläre geringfügig beeinträchtigt;
  3. die reguläre Kongruenzflexion ist beeinträchtigt, die irregulären Suppletivformen sind es jedoch nicht.

Daß reguläre und irreguläre Flexionsformen vom Agrammatismus unterschiedlich betroffen werden, spricht dafür, daß sie auf verschiedenen kognitiven Prozessen basieren: Während reguläre Formen durch Affigierung gebildet werden, sind irreguläre Formen als Vollformen gespeichert. Die Relevanz dieser selektiven Defizite für die linguistische Theoriebildung wird diskutiert.

Inhaltsverzeichnis

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Vorwort S. VIII
Einleitung S. 1
I. Agrammatismusforschung und Linguistik
1.   Die Geschichte der Agrammatismusforschung S. 5
2.   Autonomie, Modularität und selektive Defizite S. 20
3.   Charakteristika des Agrammatismus S. 22
4.   Repräsentationales oder prozedurales Defizit? S. 25
II. Methode und Datenbasis der Untersuchung
1.   Auswahl der Versuchspersonen S. 29
2.   Spontansprachdaten S. 30
3.   Experimentelle Untersuchungen S. 33
4.   Die Nullhypothese S. 42
III. Wortstellung im Agrammatismus
1.   Die syntaktischen Phänomene S. 49
2.   Theoretische Ansätze zur Wortstellung im Agrammatismus S. 60
3.   Verbstellung S. 75
4.   Spuren S. 110
IV. Flexion im Agrammatismus
1.   Theoretische Ansätze zur Flexion im Agrammatismus S. 136
2.   Pluralflexion S. 151
3.   Partizipflexion S. 171
4.   Kongruenz S. 185
V. Resümee
S. 223
 
Literaturverzeichnis S. 231
Anhang S. 243
C.   Ergebnisse der letzten AAT-Untersuchung für die Versuchspersonen S. 257