Abstracts Deutsche Sprache 4/10

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Mohamed Kaiaty

Überlegungen zu sog. 'ergänzenden wenn-Sätzen' im Deutschen

Abstract

Im vorliegenden Beitrag wird für zwei Thesen argumentiert:
1. Die sog. 'ergänzenden wenn-Sätze' im Deutschen sind ganz normale adverbiale wenn-Sätze, da sie exakt die gleiche Semantik aufweisen, die ganz normalen adverbialen wenn-Sätzen zugesprochen wird. Für die ungesättigte Argumentstelle des Matrixprädikates wird demnach angenommen, dass sie durch ein lexikalisch unspezifiziertes Argument ausgefüllt ist, das aus dem adverbialen wenn-Satz erschlossen werden kann.
2. Verbzweit-Sätze nach Präferenzprädikaten sind nicht aus sog. ergänzenden wenn-Sätzen abgeleitet, wie in der Literatur angenommen wird. Dies zeigt die unterschiedliche Semantik von sog. ergänzenden wenn-Sätzen und Verbzweit-Sätzen nach Präferenzprädikaten. Dass andererseits ergänzenden dass-Sätzen in Konstruktionen mit Präferenzprädikaten die gleiche Semantik, die Verbzweit-Sätze nach Präferenzprädikaten aufweisen, zugesprochen werden kann, spricht dafür, dass diese Verbzweit-Sätze - wie alle abhängigen Verbzweit-Sätze - aus dass-Sätzen abgeleitet sind.

This article argues for two theses:
1. The so-called 'complementary wenn clauses' in German are completely normal adverbial wenn clauses, as they have exactly the same semantics as normal adverbial wenn clauses. It is therefore assumed that the empty argument place of the matrix predicate is filled by a lexically unspecified argument which can be reconstructed from the adverbial wenn clause.
2. Verb second (V2) clauses following preference predicates are not derived from so-called complementary wenn clauses, as is assumed in the literature. This is shown by the difference in semantics between so-called complementary wenn clauses and V2 clauses with preference predicates. On the other hand the fact that complementary dass clauses in constructions with preference predicates have the same semantics as V2 clauses with preference predicates is evidence that these V2 clauses - like all dependent V2 clauses - are derived from dass clauses.


Katharina Turgay

Lokale Adpositionalkonstruktionen im Deutschen und Türkischen

Abstract

Dieser Aufsatz diskutiert türkische Entsprechungen der deutschen Präpositionalphrase im Hinblick auf ihre syntaktischen Köpfe und die Kasusrektion in der Determiniererphrase. Die deutsche Präpositionalphrase besteht im prototypischen Fall aus einer Präposition und einer Determiniererphrase in dem von der Präposition regierten Kasus. Anstelle von Präpositionen existieren im Türkischen Postpositionen. Bei der Wiedergabe einer deutschen Präpositionalphrase enthält aber nicht jeder Ausdruck im Türkischen eine Postposition, da in einem unspezifizierten Kontext Kasussuffixe diese Funktion übernehmen können, sodass die Entsprechung einer deutschen Präpositionalphrase lediglich aus einem kasusmarkierten Nomen bestehen kann. Obwohl die Strukturen der Phrasen im Deutschen und Türkischen aufgrund der Nichtexistenz von Genus und definitem Artikel unterschiedlich sind, gibt es auch Gemeinsamkeiten. Diese betreffen die Rektion der Präpositionen und Postpositionen beider Sprachen und die Funktion der Kasus in Bezug auf die Semantik der Präpositionalphrase. Je nach Kasus trägt eine deutsche Präpositionalphrase mit einer Wechselpräposition bzw. die Entsprechung im Türkischen unterschiedliche lokale Bedeutungen.

This article discusses Turkish equivalents of German prepositional phrases with respect to their syntactic heads and the case government in the determiner phrase. German prepositional phrases prototypically consist of a preposition and a determiner phrase, which receives its case from the governing preposition. Instead of prepositions, Turkish uses postpositions. However, in contrast to their German counterparts, the Turkish equivalents do not always include a postposition, since case suffixes will fulfil this function in unspecified contexts. Therefore the equivalent of a German prepositional phrase may consist simply of a case-marked noun. Since gender and definite articles are not overtly expressed in Turkish, the phrase structures of the two languages are different. Nevertheless, German and Turkish exhibit some similarities regarding the government of prepositions and postpositions. Additionally, the relation between case function and the semantics of prepositional phrases is similar: depending on its case, a German prepositional phrase with a two-way preposition and its Turkish equivalent express different locative meanings.


Krisztina Molnár

Anamnestische Verwendung der Demonstrativa im Deutschen und Ungarischen

Abstract

Bestimmte adsubstantivisch verwendete Demonstrativa verfügen - über die deiktische und phorische hinaus - über eine so genannte anamnestische Gebrauchsweise. Diese Verwendung wird in der Literatur häufig vernachlässigt, obwohl sie nach mehreren Autoren (Diessel, Himmelmann) den Ausgangspunkt der Grammatikalisierung der Demonstrativa bildet. Im vorliegenden Aufsatz wird einerseits nachgeprüft, ob und inwieweit die in der einschlägigen Literatur beschriebenen allgemeinen Charakteristika der anamnestischen Demonstrativa für das Deutsche und das Ungarische zutreffen. Andererseits werden auch die Eigenschaften der indefiniten Gegenstücke der anamnestischen Demonstrativa in beiden Vergleichssprachen anhand von Korpusbeispielen untersucht. Zum Schluss wird auch auf die möglichen Grammatikalisierungswege der Demonstrativa eingegangen.

Certain adnominally used demonstratives have not only deictic and phoric uses, but also a so-called anamnestic use. This use is frequently neglected in the literature, although according to several authors (Diessel, Himmelmann) it forms the starting point for the grammaticalisation of the demonstratives. This article tests firstly whether and to what extent the general characteristics of anamnestic demonstratives as described in the relevant literature apply to the German and the Hungarian languages. Secondly it examines the characteristics of the indefinite counterparts of anamnestic demonstratives in both these languages on the basis of examples from a corpus. Finally it also discusses the possible grammaticalisation routes of the demonstratives.


Friedemann Vogel

Linguistische Imageanalyse

Abstract

Der vorliegende Beitrag skizziert einen dezidiert linguistischen Zugang zu medienvermittelten Stereotypen in Form einer linguistischen Imageanalyse (LIma). Zurückgegriffen wird dabei auf Theorieansätze der kognitiven Linguistik bzw. Frametheorie, der linguistischen Diskursanalyse sowie der Korpuslinguistik. Im Zentrum der Arbeit stehen die Überlegungen, dass erstens Wissensrahmen von Individuen und Kollektiven durch die sprachliche Medienberichterstattung koorientiert werden, zweitens diese medial vermittelten Wissensrahmen öffentlichen, sprachlich manifestierten Images insbesondere zu Personen, Gruppen und Institutionen entsprechen und drittens diese Images sich durch korpusbasierte, semiautomatische und ko(n)textsensitive Sprachmusteranalysen sichtbar machen lassen. Im Anschluss an die theoretische Grundlegung wird der Ansatz an einer Studie zum Medienimage der Türken bzw. Türkei exemplifiziert.

This article outlines an unequivocally linguistic approach to media-mediated stereotypes in form of a linguistic image analysis (LIma). The study is based on theoretical approaches in cognitive linguistics/frame theory, linguistic discourse analysis and corpus linguistics. The central ideas of the study are firstly that the knowledge frames of individuals and collectives are co-influenced by the linguistic reporting in the media, secondly that the knowledge frames mediated by the media correspond to public, linguistically manifested images of people, groups and institutions in particular, and that thirdly these images can be detected by corpus-based, semi-automatic and co(n)text-sensitive analyses of language patterns. After the theoretical grounding, the approach illustrated by a study of the media image of the words Türke and Türkei.