Abstracts Deutsche Sprache 3/10
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Karin Pittner
Prädikative Genitive - ein vernachlässigtes Kapitel der Grammatikschreibung
Abstract
In diesem Beitrag wird gezeigt, dass Genitiv-NPs in prädikativer Funktion im heutigen Deutsch weitaus häufiger und weniger formelhaft erstarrt sind, als es die Beschreibungen in den Grammatiken vermuten lassen. Sowohl in der Funktion eines Subjektsprädikativs als auch in der eines freien Prädikativs sind Genitiv-NPs ziemlich produktiv, während sie als Objektsprädikative wohl eher als Randerscheinung gelten können.
Es wird dafür argumentiert, dass es sich bei dem prädikativen Genitiv um einen inhärenten Kasus handelt, der auf die semantischen Bereiche 'Qualität' und 'mentaler Zustand' sowie 'körperliche Begleiterscheinung' beschränkt ist. Prädikative Verwendungen von Genitiven werden gestützt durch in sprachvergleichender Sicht verwandte Konstruktionen wie Attribute und Adverbiale.
This article shows that genitive NPs in predicative function are much more frequent and productive in present-day German than the scarce descriptions of this phenomenon in grammars of German would suggest. Genitive NPs are fairly productive in the functions of subject complement and depictive predicate, but they are marginal as object complements.
It is argued that the genitive in predicative function is an inherent case which is restricted to the semantic areas of 'quality', 'mental state' and 'bodily accompaniment'. Predicative uses of the genitive are supported by constructions such as attributes and adverbials, which are related from a comparative point of view.
Maurice Vliegen
Verbbezogene Redewiedergabe: Subjektivität, Verknüpfung und Verbbedeutung
Abstract
Trotz der überschwänglichen Literatur zur direkten und indirekten Rede im Deutschen wurde bisher wenig Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang zwischen der Form der Redewiedergabe und der Bedeutung der einleitenden Verben verwendet. Dieser Beitrag befasst sich mit einem Modell für verbbezogene Redewiedergabe. Die verschiedenen Formen dieser Art der Redewiedergabe werden vorgestellt und über ihre semantischen und syntaktischen Eigenschaften systematisch zueinander in Beziehung gesetzt. Grundlage dafür ist der in Sanders 1994 vorgestellte Begriff der Subjektivität. Die Annahme ist, dass sich das 'Profil', die Wahl der einschlägigen Formen der Redewiedergabe und deren Frequenz, auf Elemente der Verbbedeutung zurückführen lässt. Eine weitere Schwachstelle vorliegender Arbeiten bildet die Datenlage. Es gibt so gut wie keine statistisch verwertbaren Angaben zu den einzelnen Konstruktionen. In der vorliegenden Arbeit werden neun Kommunikationsverben überprüft. Dazu wird ein Korpus von gut 9500 Belegen aus drei deutschen Zeitungen benutzt.
While there has been much research on direct and indirect speech in German, little attention has been paid to the relation between the type of report and the meaning of verbs introducing these various types. In this article the main focus is on the comparison of the semantic und syntactic properties of these verbs. It is claimed that the profile of a particular verb, i.e. the selection from the various types of report und their frequency, is related to its meaning. The framework is provided by the notion of 'subjectivity' as proposed by Sanders (1994). A further weakness in past and current research is the lack of statistically relevant data from corpora. In this article nine verbs (with over 9,500 occurrences from three German newspapers) will be the subject of investigation.
György Scheibl
Gemerus. Eine kategorien-komparative Studie des deutschen Genus- und Numerussystems
Abstract
In dieser Arbeit geht es um eine systematische Relationierung der im Folgenden als Gemerus abgekürzten grammatischen Kategorien Genus und Numerus. Es ist eine kategorien-komparative Studie, die die beiden grammatischen Kategorien des Deutschen vor einem typologischen Hintergrund vergleicht und in unterschiedlichen Aspekten aufeinander bezieht. Zur Beschreibung des Klassifizierungspotenzials von Gemerus im Nominalbereich des Deutschen wird ein mathematisches Modell präsentiert, durch dessen sprachunabhängige Charakteristika die einheitliche Modellierung des Gemerussystems des Deutschen erhofft wird.
This article attempts to relate the grammatical categories of gender and number (refered to together as gemerus) systematically to one another. It is a comparative study of categories, comparing the two grammatical categories of German against a typological background and relating them to one another in a number of aspects. The classificatory potential of gemerus for German nominals is described using a mathematical model with language-independent features, which it is hoped will provide a uniform way of modelling the German gemerus system.
Christine Römer und Herbert Voß
Deutsche Silbentrennmuster - aus linguistischer und TEXnischer Sicht
Abstract
Die letzten amtlichen Festlegungen zur deutschen Rechtschreibung haben für die Silbentrennung Veränderungen ergeben, die ihre Ursachen in den der Silbentrennung zugrunde liegenden Regeln und den relevanten sprachimmanenten Widersprüchen (wie der doppelten Gliederung in eine Silben- und Morphemstruktur) haben. Entwicklungen im Lexikon (beispielsweise die Zunahmen von Bildungen mit Bindestrichen) haben auch Auswirkungen auf die Silbentrennung.
Dem Ziel 'die deutschen Trennmuster zu verbessern' (vgl. DTK 2/2003, 2/2005, 1/2008), kann man langfristig und nachhaltig noch näher kommen, wenn man über das Sammeln und bloße Auflisten von Trennfehlern hinausgeht. Die in der Linguistik erarbeiteten Konzepte und Zusammenstellungen (wie die Hierarchie der Silbentrennregeln, Wortschatzklassifizierungen und Korpora) können dafür hilfreich sein.
Für den TEXnischen Trennalgorithmus sind die sprachenspezifischen Besonderheiten und Entwicklungen ebenso eine Herausforderung wie die Suche nach Haupttrennstellen. Trennmusterlisten und Ausnahmeregeldateien sind dafür nötig und wichtig; ihre Erstellung sollte nicht nach subjektiven Kriterien erfolgen und die Ergebnisse der Linguistik einbeziehen.
The latest official changes of regulations for the german language have introduced new rules for the hyphenation of words. This was mainly caused by the rules underlying the actual hyphenation rules and by relevant language intrinsic contradictions (such as the duplicate structure in a syllable and morphem structure). Developments in the lexicon (eg. the increase of new words with hyphens) also have an impact on hyphenation.
The final aim of 'improving German hyphenation patterns' can be approached even closer if one would do more than just compiling and publishing a list of (common) hyphenation errors. Concepts developed in linguistics (like the hierarchy of the hyphenation rules, classifications and vocabulary corpora) could be very helpful as well.
For the TEX's hyphenation algorithm language specific features and developments of the language itself are a big challenge as well as finding main hyphenation patterns. Both hyphenation pattern lists and exclusion rules are still necessary and important; their creation should not be of subjective criteria but the results of linguistics criteria.