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Abstracts Deutsche Sprache 3/08

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Ludger Hoffmann

Über ja

Abstract

Der Ausdruck ja mit seinen vielfältigen Verwendungsweisen ist in der Partikelforschung öfter analysiert worden. An ihm lassen sich gut die Schwierigkeiten aufzeigen, eine Wortart "Abtönungspartikeln" zu etablieren. In diesem Beitrag wird diese Diskussion aufgenommen und versucht, ja in seiner verwendungsübergreifenden Grundfunktion zu bestimmen. Die durchgehende Funktionalität von ja wird darin gesehen, dass dieser Ausdruck einen spezifischen Wissensstatus der Gewissheit für Propositionen festlegt.

The word ja with its many uses has often been analysed in research on German particles. It demonstrates the difficulties involved in establishing a part of speech "modal particle". This article continues the discussion of the topic and attempts to define the basic function of ja which is present in all its various uses. The common function of ja is seen as lying in the fact that the word establishes a specific knowledge status of certainty for propositions.


Arnulf Deppermann / Reinhold Schmitt

Verstehensdokumentationen: Zur Phänomenologie von Verstehen in der Interaktion

Abstract

Aus psychologischer Sicht wird Verstehen als ein kognitiver Prozess begriffen. Im Gegensatz dazu stellt der Aufsatz einen konversationsanalytischen Zugang zu Verstehen dar. Es wird rekonstruiert, wie Verstehen in Gesprächen durch verschiedene Verfahren der Verstehensdokumentation verdeutlicht und durch wechselseitig aufeinander bezogene Reaktionen ausgehandelt wird. Anhand von sechs Gesprächssequenzen wird eine linguistische Typologie von Verstehensdokumentationen in der Interaktion vorgestellt. Auf Basis der Fallanalysen werden grundlegende Eigenschaften von Verstehensdokumentationen sowie Aufgaben, die die Interaktionsteilnehmer bei der Produktion von und bei der Reaktion auf Verstehensdokumentationen bearbeiten, rekonstruiert. Dazu gehören: Identifikation des Bezugs von Verstehensdokumentationen, Interpretation des Verstehensgegenstands, Sicherung der Verständlichkeit und Legitimität (accountability) der Verstehensdokumentation, Herstellung des Bezugs der Verstehensdokumentation zu den praktischen Zwecken der laufenden Interaktion, Aushandlung intersubjektiven Verständnisses, rhetorische Nutzung von Verstehensdokumentationen und ihr indikativer Bezug auf Beteiligungsrollen und sozialstrukturelle Rahmen der Interaktion.

Traditional epistemology treats understanding as a private, cognitive phenomenon. In contrast, this paper argues for a conversation analytic perspective on understanding in interaction as a discursive phenomenon which needs to be publicly displayed, if successful understandings of turns at talk are to become common ground. Drawing on analyses of six sequences of talk-in-interaction, the paper outlines a typology of linguistic types of understanding displays which are produced in interaction. The cases studied are interpreted in terms of basic properties of understanding displays and of the tasks which participants in interaction deal with when producing and interpreting them. Among these properties and tasks are: identifying the reference of understanding displays, interpreting the reference, providing for their accountability, relating them to the current interactional business, the collaborative negotiation of intersubjective understanding, the rhetorical use of understanding displays and their potential as means of indexing participation frameworks and social structure.


Ulrike Freywald

Zur Syntax und Funktion von dass-Sätzen mit Verbzweitstellung

Abstract

Dieser Beitrag untersucht dass-Sätze, bei denen das finite Verb nicht, wie eigentlich zu erwarten, am Ende, sondern in Zweitposition platziert ist. Anhand von authentischem Sprachmaterial des gesprochenen Deutsch wird dieses Phänomen hinsichtlich syntaktischer und pragmatischer Eigenschaften systematisiert und beschrieben. Ziel ist es erstens, die zunächst ungewöhnlich erscheinende Verbstellung in dass-Sätzen funktional zu motivieren. Dabei fließen sowohl diskursfunktionale Beobachtungen als auch informationsstrukturelle Faktoren in die Betrachtung ein. Auf der Grundlage dieser Befunde werden zweitens Möglichkeiten und Probleme einer (formal-)syntaktischen Analyse von dass-V2-Konstruktionen besprochen. Die Ergebnisse sprechen dafür, von einer parataktischen Struktur auszugehen. Der Konnektor dass wird hier nicht als Subjunktion, sondern als Assertionsmarker verwendet und übernimmt damit Diskursfunktion.

This article deals with German dass ('that')-clauses in spoken German that do not show the finite verb - as one would expect in subordinate clauses - in final, but, just like in main clauses, in second position. Based on material from spoken language corpora this phenomenon is investigated and systematically described. After a closer look at syntactic and pragmatic properties of this construction, this somewhat surprising pattern of verb placement is motivated by functional needs, such as discourse functional strategies and information structural factors. With these findings in mind, several ways of formal syntactic analysis are discussed. As a result, I propose a paratactic analysis suggesting that dass does not function as a complementiser, but as an assertion marker instead.