Abstracts Deutsche Sprache 1/08

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Beatrice Primus

Diese - etwas vernachlässigte - pränominale Herausstellung

Abstract

Pränominale Herausstellungen wie bspw. man schüttet eine - zuvor gezählte - Anzahl Zündhölzer auf den Tisch wurden in der bisherigen Forschung oft nur am Rande behandelt oder ganz übersehen. Der folgende Beitrag widmet sich solchen Konstruktionen und versucht sie in das Gesamtbild der Herausstellungen einzuordnen. Dabei werden ihre syntaktischen, flexionsmorphologischen, prosodischen und diskurssemantischen Eigenschaften sowie die verschiedenen Interpunktionszeichen, die solche Konstruktionen begleiten, näher untersucht.

Prenominal highlighting such as man schüttet eine - zuvor gezählte - Anzahl Zündhölzer auf den Tisch ('a - previously counted - number of matches are poured out on the table') have often been treated as peripheral or completely ignored in previous research. The following article is devoted to such constructions and attempts to locate them in the overall picture of emphatic forms. Their syntactic, inflectional-morphological, prosodic and discourse semantic characteristics are examined, together with the various punctuation marks which accompany such constructions.


Eva Breindl

Die Brigitte nun kann der Hans nicht ausstehen

Gebundene Topiks im Deutschen

Abstract

In der "Nacherstposition" zwischen einer Vorfeldkonstituente und dem Finitum können im Deutschen bestimmte unflektierbare Einheiten (wie allerdings, wiederum, also, nun, nämlich, beispielsweise) auftreten, die sich anders als Fokuspartikeln verhalten. Es handelt sich um Adverbkonnektoren, die neben ihrer relationierenden Funktion in dieser - und nur in dieser - Position die informationsstrukturelle Aufgabe der Topikwechselmarkierung übernehmen. Nur eine kleine Klasse skalierender Einheiten - die typischen Stiefkinder der Fokuspartikel­forschung (zumindest, höchstens, wenigstens u.a.) - kann hier alternativ Topik und Fokus markieren. Mit ihrer spezifischen Form-Funktions-Korrelation stellt die Nacherstposition von Adverbkonnektoren eine nicht zur Gänze kompositional erschließbare "Konstruktion" im konstruktionsgrammatischen Sinne dar.

In German, certain uninflected elements (such as allerdings, wiederum, also, nun, nämlich, beispielsweise) can occur in the "post initial position" between a prefield constituent and the finite verb. These elements behave differently from focus particles. They are adverbial connectors which, alongside their relational function, in this - and only this - position take on the information-structural task of marking a change of topic. Only a small class of scaling units - elements typically neglected in focus particle research (zumindest, höchstens, wenigstens, etc.) - can mark either topic or focus here. With its specific correlation of form and function, the post initial position of adverb connectors represents a compositionally not completely analysable construction in terms of construction grammar.


Wilhelm Oppenrieder

Statt eines Blumenstraußes

Überlegungen zu einer Partikel

Abstract

Gegenstand des Aufsatzes ist das mehrdeutige Verhalten der Partikel statt, die teils wie eine Präposition, teils wie ein koordinativer Verknüpfer, teils auch wie eine fokuslenkende Partikel verwendet wird und daher in keines der gängigen Wortartenraster hineinpasst. Zum einen soll gezeigt werden, bei welchen Eigenschaften jeweils die präpositionale oder die koordinative Charakteristik dominiert, zum zweiten wird versucht, das janusköpfige Verhalten aus der Bedeutung der Partikel abzuleiten.

The subject of this article is the ambiguous behaviour of the particle statt, which is used partly like a preposition, partly like a coordinative connector, and partly like a focus-steering particle and therefore does not fit into any of the usual patterns of parts of speech. The intention is to demonstrate firstly the properties for which the prepositional or the coordinative characteristic dominates, and secondly to derive the janus-headed behaviour of the particles from their meaning.


Karin Pittner

Schlecht dran oder gut drauf?

Überlegungen zur Grammatikalisierung und Akzentuierung von Pronominaladverbien

Abstract

In diesem Aufsatz wird dafür argumentiert, dass Pronominaladverbien wie einige eng verwandte Bildungen durch Zusammenrückung aus Adverbien in einer lokaldeiktischen Phrase entstanden sind, woraus auch die wortinterne Abfolge der Elemente resultiert. Die Deakzentuierung des Erstglieds kann als auslösender Faktor gesehen werden, in deren Gefolge für Grammatikalisierung typische Prozesse wie semantische Ausbleichung des lokalen Erstglieds, phonologische Reduktion und Verlust an syntaktischer Freiheit zu beobachten sind.
Im heutigen Deutsch existieren bis zu drei Formen eines Pronominaladverbs: die Vollform mit dem Akzent auf dem Zweitglied, die als die unmarkierte Form gelten kann, die Form mit dem Akzent auf dem Erstglied, die eine Fokussierung anzeigt, sowie zu einigen Adverbien mit dar eine reduzierte Form dr-, die in einigen phraseologischen Wendungen und bei einer Reihe von Partikelverben die einzig mögliche Form ist.
Nur die Fokusform kann in der Funktion eines Korrelats zu Adverbialsätzen sowie in der Funktion eines vorangestellten Korrelats zu Nebensätzen im Vorfeld auftreten. Die reduzierte Form, die vor allem umgangssprachlich häufig verwendet wird, kann im Vorfeld oder im Mittelfeld erscheinen.

It is argued that pronominal adverbs are the result of a univerbation of two adverbs forming a deictic local phrase, which also explains the word-internal order of the combined elements. The deaccentuation of the first element gives rise to the univerbation which is followed by several processes typical for grammaticalization: a semantic bleaching of the local meaning, phonological reduction and a loss of syntactic freedom.
Pronominal adverbs may exist in up to three variants in present-day German: the full form which carries the accent on the second element, a form with the accent on the first element signalling focus, and a reduced form for pronominal adverbs with dar as first part (e.g. drüber, drauf) which is the only form possible in a number of phraseological expressions and particle verbs.
Only the focus form may serve as a correlate for adverbial clauses and for subordinate clauses in the pre-field. In other functions there is a free choice between the focus form or the full form. The reduced form which is often used in colloquial German is possible in the prefield as well as in the middle field.