Abstracts Deutsche Sprache 1-2/06
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Elisabeth Gülich
Das Alltagsgeschäft der Interdisziplinarität
Abstract
Interdisziplinarität steht hoch im Kurs: Wenn es darum geht, Forschungsprojekte zu konzipieren, Forschungsmittel einzuwerben oder Forschung zu evaluieren, gewinnt oft "der Dialog zwischen den Disziplinen" einen besonderen Stellenwert, und die interdisziplinäre Kooperation scheint unbedingt erstrebenswert. Dieser Beitrag fügt der Reflexion über das Für und Wider solcher Kooperationen keine neuen Aspekte hinzu, sondern geht auf konkrete Erfahrungen in der alltäglichen Zusammenarbeit mit Vertretern anderer Disziplinen ein. An Beispielen aus eigenen linguistisch-medizinischen Projekten wird gezeigt, dass in der Forschungspraxis oft in (aus der Sicht der Gesprächsforschung) scheinbar unproblematischen Zusammenhängen - beispielsweise bei der Analyse von Transkripten - ganz unerwartet Probleme auftreten. Sie machen deutlich, dass auch dann, wenn alle Beteiligten über Prämissen und Vorgehensweisen einig zu sein glauben, sich bei der konkreten Arbeit beträchtliche Differenzen herausstellen können: unterschiedliche Bedeutung scheinbar gemeinsamer Begriffe, unterschiedliche theoretische Bezugsrahmen, unterschiedliche Relevanzsetzungen. Trotzdem ist dieser Beitrag ein Plädoyer für interdisziplinäres Arbeiten: Zum einen ist gerade im Bereich der Gesprächsforschung, zumindest bei der Analyse professioneller Interaktionen, Interdiszipinarität nahezu unerlässlich; zum anderen bietet sie eine einzigartige Möglichkeit, die Begrenztheit der eigenen Perspektive wenigstens ansatzweise zu überwinden.
Interdisciplinarity is highly rated: when research projects are being planned, research funding applied for or research being evaluated, "the dialogue between the disciplines" often takes on a special value and interdisciplinary co-operation seems highly desirable. This article does not add any new aspects to reflection on the pros and cons of such co-operation, but looks at concrete experiences in everyday co-operation with colleagues from other disciplines. Examples from my own projects involving linguistics and medicine show that completely unexpected problems often arise in practical research in matters which from the point of view of conversation analysis do not appear to be problematic - for example in the analysis of transcripts. They make clear that even if all those involved think they are in agreement about premises and procedures, as the actual work proceeds considerable differences can arise: different meanings for apparently common terms, different theoretical frameworks, different priorities. Nevertheless this article is a plea for interdisciplinary work: on the one hand, especially in the field of conversation analysis, at least for the analysis of professional interactions, interdisciplinarity is virtually essential; on the other hand it offers a unique opportunity to at least make a start in overcoming the limits of one's own perspective.
Reinhold Schmitt
Videoaufzeichnungen als Grundlage für Interaktionsanalysen
Abstract
Videoaufzeichnungen ersetzen immer häufiger Tonaufzeichnungen als empirische Grundlage der Analyse von Interaktion. In diesem Beitrag werden die Modifikationen dargestellt, die sich in methodischer und theoretischer Hinsicht daraus ergeben. Nach einem kontrastierenden Bezug auf die Konversationsanalyse wird ein Konzept multimodaler Interaktion skizziert und anschließend - hinsichtlich unterschiedlicher Aspekte - gezeigt, worin die in der audiovisuellen Qualität der empirischen Daten begründeten Veränderungen bestehen. Der Beitrag argumentiert aus einer multimodalen Perspektive für eine systematische Überprüfung und Modifikation der zumeist verbal definierten Beschreibungskonzepte, wie sie die Konversationsanalyse entwickelt hat.
Video recordings are increasingly replacing sound recordings as the empirical basis for the analysis of interaction. This article discusses methodical and theoretical modifications which result from this development. A contrasting reference to conversation analysis is followed by an outline of the concept of multimodal interaction, and it is then shown - with regard to a number of different aspects - what changes have come about as a result of the audiovisual quality of the empirical data. The article argues for the systematic examination of verbally defined concepts developed within the field of conversation analysis from a multimodal point of view.
Werner Nothdurft
Gesprächsphantome
Abstract
Ich setze mich in diesem Beitrag mit dem Anspruch gesprächsanalytischen Arbeitens auseinander, Erkenntnisse über Gesprächsphänomene zu gewinnen. Meine Behauptung ist, dass die Gesprächsanalyse durch eine Reihe datentechnischer und methodischer Prozeduren Gegenstände konstituiert, die auf das Alltagsphänomen Gespräch nicht mehr rückbezogen werden können. Abschließend mache ich einen Vorschlag, wie man den Stellenwert von Gesprächsaufnahmen oder Transkripten im Forschungsprogramm gesprächsanalytischen Arbeitens neu bestimmen kann.
In this article I discuss the claim of conversation analysis to add to our knowledge of conversational phenomena. I argue that conversation analysis, by means of a number of data-technical and methodological procedures, constructs objects which can no longer be related back to everyday conversations. In conclusion I suggest a new way of determining the value of recordings or transcripts of conversations in research on conversation analysis.
Rosemarie Tracy
Sprachmischung: Herausforderungen und Chancen für die Sprachwissenschaft
Abstract
Im Mittelpunkt des Beitrags stehen funktionale und formale Eigenschaften deutsch-englischer Mischäußerungen von Erwachsenen und Kindern. Nach einer Illustration der konzeptuellen Herausforderungen an die Analyse von Äußerungen unterschiedlicher Mischintensität werden anhand der Daten einer deutschen Immigrantin in den USA individuelle Präferenzen für bestimmte Funktionen und Formen des Mixing nachgewiesen. Schließlich wird gezeigt, dass bilinguale Kinder, die prinzipiell dazu in der Lage sind, im Alter von zwei bis drei Jahren ihre Sprachen diskursangemessen zu wählen, Sprachmischungen auch einsetzen, um strukturelle und lexikalische Lücken auszugleichen. Mixing, so das generelle Fazit, erlaubt uns einen besonders privilegierten Zugriff auf den kreativen und zugleich höchst systematischen Umgang mit Sprache schlechthin.
This article is concerned with the functional and formal properties of German-English mixed utterances produced by bilingual adults and children. After illustrating the conceptual challenges involved in the analysis of utterances exhibiting different mixing intensities, it will be shown on the basis of data from a German immigrant to the U.S. that it is possible to identify individual mixing preferences (i.e. different mixing profiles). It will then be argued that bilingual children between the ages of two and three, who are already capable of choosing their languages according to their interlocutors, rely on language mixing to fill temporary lexical and structural gaps. Mixing, it can be concluded, allows us privileged access to the creative and highly systematic manner in which humans deal with language in general.
Ralf Knöbl
Zur interaktionsstrukturellen Fundiertheit von Sprachvariation
Abstract
Der Aufsatz stellt zuerst ein Projekt zur Standard-Dialektvariation in einer schwäbischen Kleinstadt vor. Dabei wird ganz kurz auf die soziolinguistische Situation des südwestdeutschen Sprachraumes und auf methodische Aspekte der Analyse von Dialekt-Standard-Variation eingegangen. Es folgen Bemerkungen zum institutionellen Setting Gemeinderat bevor an einem Datenbeispiel aus einer Sitzung des Gemeinderats der Einsatz von kontrastbildenden Sprachvariationsverfahren als rhetorische Ressource gezeigt wird. Das sequenzanalytische Vorgehen belegt dabei die interaktionsstrukturelle Fundierung von Sprachvariationsverfahren.
This article first describes a project on standard dialect variation in a small town in Swabia. The sociolinguistic situation in South West Germany and methodological aspects of the analysis of dialect standard variation are discussed briefly. This is followed by remarks on the institutional setting "local council", leading up to the presentation of example data from a meeting of the local council which show the use of speech variation as a means to produce contrast in order to support rhetorical procedures. The sequence analysis approach employed shows that forms of language variation are based on the structure of the interaction.
Barbara Sandig
Stilistische Ebenen-Analyse
Abstract
Die Vielfalt der Stile führt dazu, dass eine Vielzahl von Methoden benötigt wird, um das jeweils Relevante, Charakteristische herauszustellen. Stilistische Ebenen-Analyse meint zunächst, dass die Ebenen der Sprachbeschreibung genutzt werden. Hierbei werden die Arbeiten mit dem Voranschreiten der Linguistik immer reichhaltiger. Um Texte in ihrer Ganzheit zu erfassen, werden aber zusätzlich funktionale Ebenen benötigt. Im ersten Teil dieses Beitrags werden, ausgehend vom Kallmeyer/Schützeschen Modell der Gesprächsebenen, verschiedene stilistische Ebenen-Modelle gesichtet und zu einem umfassenden Modell zusammengefasst. Im zweiten Teil wird ein einfacher Sprache-Bild-Text auf dem Hintergrund dieses Modells beschrieben und mögliche Konsequenzen für komplexere Texte angedeutet.
The variety of styles means that a range of methods is needed in order to pinpoint the relevant, characteristic issues in each case. Stylistic level analysis means firstly that the levels of language description are utilised. In this respect studies are becoming more and more substantial as linguistics progresses. In order to capture texts in their entirety, however, additional functional levels are required. In the first part of this article, Kallmeyer and Schütze's model of conversational levels is used as a starting point to examine various stylistic level models and combine them into a comprehensive model. In the second part, a simple text consisting of language and pictures is described within the framework of this model, and possible consequences for more complex texts are suggested.
Inken Keim
Der kommunikative soziale Stil der "türkischen Powergirls", einer Migrantinnengruppe aus Mannheim
Abstract
Der folgende Beitrag basiert auf der ethnografisch-soziolinguistischen Untersuchung einer Gruppe türkischstämmiger Migrantinnen der zweiten Generation in Mannheim, den "türkischen Powergirls". Im Zentrum der Untersuchung steht der kommunikative Stil der Gruppe, wie er sich in Auseinandersetzung mit der Lebenswelt der Mitglieder und mit relevanten Anderen herausgebildet hat. Stil wird als Index für das kulturelle Selbstverständnis der Gruppe konzeptualisiert und stilistische Veränderungen, die im Laufe des Gruppenentwicklungsprozesses beobachtbar sind, werden als Ergebnis der Auseinandersetzung mit veränderten Lebensbedingungen und als Indiz für ein verändertes kulturelles Selbstbild gefasst. In dem Beitrag werden nach einer kurzen Charakteristik des kommunikativen Stils der Gruppe die deutsch-türkischen Mischungen als salientes Stilmerkmal fokussiert und unter strukturellen und funktionalen Aspekten beschrieben.
The following article is based on an ethnographic sociolinguistic study of a group of second-generation ethnic Turkish migrants in Mannheim, the "Turkish Powergirls". The investigation focuses on the communicative style of the group and how it has developed in interaction with the environment in which its members live and with other relevant people. Style is conceptualized as an index of the cultural self-image of the group, and the stylistic changes which are observed in the course of the group development process are understood as a result of coming to terms with changed living conditions and as an indication of a changed cultural self-image. The article begins with a short sketch of the communicative style of the group, after which it focuses on German-Turkish mixed forms as a salient style characteristic which is described in its structural and functional aspects.
Jannis Androutsopoulos
Jugendsprachen als kommunikative soziale Stile
Schnittstellen zwischen Mannheimer Soziostilistik und Jugendsprachenforschung
Abstract
Der Beitrag stellt Untersuchungen von Jugendgruppen in den IDS-Projekten "Kommunikation in der Stadt" und "Deutsch-türkische Sprachvariation" in den Kontext der deutschsprachigen und internationalen Jugendsprachenforschung. Arbeiten aus dem erstgenannten Projekt haben zur Etablierung ethnographisch-gesprächsanalytischer Ansätze, solche aus dem zweiten Projekt zur Konstituierung von Mehrsprachigkeit unter Migrantenjugendlichen als Forschungsgegenstand beigetragen. Die Mischsprache der "Powergirls" weist in ihrer sozialen Funktion und biografischen Verteilung sowie in lexikalisch-phraseologischer und diskurspragmatischer Hinsicht deutliche Parallelen zu monolingualen Sprechstilen Jugendlicher auf. Die analytischen Leitkategorien der Mannheimer Soziostilistik schlagen eine Brücke zwischen verschiedenen Perspektiven auf Jugendsprache und bieten daher einen konzeptionellen Rahmen für künftige soziolinguistische Untersuchungen des Sprachgebrauchs im Jugendalter an.
This paper places research on interaction in youth groups carried out in two projects at the Institute for the German Language in Mannheim (IDS) in the context of German and international research on youth language. The Mannheim socio-stylistic approach is an important part of youth language research in the German-speaking countries. Work from the first project ("Communication in the city") helped to establish ethnographic and conversation-analytic approaches in youth language research; work from the second project ("German-Turkish language variation"), advanced research on multilingualism among migrant adolescents in Germany. It is suggested that the mixed language of the "Powergirls", a peer group investigated in the second project, displays clear parallels to monolingual youth speech styles in terms of its social function, its biographic distribution as well as with respect to a number of lexical, phraseological and discourse-pragmatic features. The paper argues that the main analytical categories of the Mannheim socio-stylistic framework establish connections across different research perspectives on youth language and thus offer an integrated conceptual framework for future sociolinguistic research into language use among young people.
Johannes Schwitalla
"Kommunikation in der Stadt". Ein Rückblick auf ein Projekt Werner Kallmeyers
Abstract
In diesem Beitrag wird Rückschau auf das von Werner Kallmeyer geleitete Projekt "Kommunikation in der Stadt" gehalten. Aus der Innensicht eines ehemaligen Mitarbeiters stelle ich in groben Zügen die Entwicklungsgeschichte und die von außen und innen kommenden Schwierigkeiten des Projekts dar. Darüber hinaus situiere ich das Projekt in der damaligen soziolinguistischen Forschungslandschaft und führe einige Haupt- und Nebenergebnisse an.
This article looks back over the project "communication in the city", led by Werner Kallmeyer. From the point of view of an insider as a former member of the research team, I describe in general terms the development of the project and the external and internal difficulties it encountered. Beyond that I locate the project in the sociolinguistic research landscape of the time and give some of the main and secondary results.
Werner Holly
Mit Worten sehen
Audiovisuelle Bedeutungskonstitution und Muster transkriptiver Logik in der Fernsehberichterstattung
Abstract
Nimmt man den Befund ernst, dass die Verschränkung von sprachlichen Zeichen mit anderen der Normalfall ist, dass alle Texte Verschränkungen verschiedener Codes bzw. Modes (Zeichenarten, Kanäle) enthalten, dann muss man der Frage nachgehen, wie diese Verschränkungen zu beschreiben sind, z.B. die Muster der audiovisuellen Bedeutungskonstitution. Sie werden hier als Fälle wechselseitiger "Transkriptionen" konzeptualisiert, wobei es darum geht, im Bezug auf die jeweils andere Zeichenart, "unlesbar" gewordene Ausschnitte wieder oder anders "lesbar" zu machen. An einem Beispiel wird gezeigt, dass so audiovisuelle Bedeutungen entstehen, die in einer Zeichenart alleine nicht möglich wären. Aber auch weniger auffällige Verfahren in alltäglicher Fernsehberichterstattung können auf Muster transkriptiver Logik hin untersucht werden, von denen hier eines, nämlich "mit Worten sehen", zusammen mit seinen komplementären Mustern in Umrissen skizziert wird. In all diesen Mustern sind die jeweiligen spezifischen Leistungen der Zeichenarten einerseits transkriptiv und kompensatorisch auf die jeweiligen Defizite des anderen bezogen, und zwar mithilfe von angeeigneten Zügen des anderen, es bleibt aber andererseits bei deren autochthonen Strukturen, die durch den transkriptiven Bezug noch verstärkt oder sogar erst aktiviert werden.
If we take seriously the finding that the linking of linguistic signs with others is the normal case, that all texts contain linkages of different codes and/or modes, then we must address the question of how these linkages are to be described, e.g. the patterns which constitute audiovisual meaning. These are conceptualised as cases of mutual "transcriptions", whereby sections which have become "illegible" are made "legible" once more or in a different way in connection with the different type of sign. An example shows that audiovisual meanings which would not have been possible with a single type of sign develop in this way. But even less conspicuous procedures in everyday television reporting can be examined for patterns of "transcriptive logic", of which one, "seeing with words", is outlined here together with its complementary patterns. In all these patterns the specific contributions of the types of sign are related to the deficits of the other types in both transcription and compensation, specifically with the assistance of features acquired from the other type. However, the autochthonous structures remain and are further strengthened or even activated by the transcriptive features.
Wilfried Schütte/Thomas Spranz-Fogasy
Didaktische Möglichkeiten des Videoeinsatzes in hypermedialen Systemen der Gesprächsanalyse
Abstract
Hypermedia und Internet revolutionieren die Gesellschaft in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen. Sie sind auch in der Linguistik nicht nur zum Forschungsgegenstand sondern auch zum Präsentationsmedium geworden. Auch und besonders in der Gesprächsanalyse werden die Möglichkeiten der Darstellung und der Analyse durch den Einsatz elektronischer Systeme um ein Vielfaches erweitert. In diesem Beitrag möchten wir darüber informieren, wie und zu welchem Zweck Videodateien in verschiedenen online oder offline verfügbaren Systemen zur Gesprächsforschung eingesetzt werden, und versuchen, den Stellenwert dieses Einsatzes im gesprächsanalytischen Arbeitsprozess aufzuzeigen. Nach einer Darstellung der bisherigen wesentlichen Entwicklungsschritte des Gesprächsanalytischen Informationssystems GAIS und einem Überblick über andere Hypermediasysteme zeigen wir, wie man mit Hilfe von Videos die Flüchtigkeit des originalen Kommunikationsereignisses nachbilden oder in spezifischer Weise auf dieses Ereignis zugreifen kann. Ferner zeigen wir, wie sich der Videoeinsatz mit Phasen des gesprächsanalytischen Arbeitsprozesses verknüpfen lässt, und plädieren für eine Integration der didaktischen Vermittlung in diesen Prozess. Wir beschäftigen uns hier also mit den didaktischen Einsatzmöglichkeiten für Lehrende und den Lernmöglichkeiten für Studierende, die hypermediale Systeme in der Gesprächsanalyse bieten.
Hypermedia and the internet are revolutionising society in many areas of life and work. In linguistics, too, they have become not only the object of research, but also the medium of presentation. This is especially the case in conversation analysis, where the use of electronic systems has greatly extended the possibilities of presentation and analysis. In this article we would like to report on how and for what purposes video files are used for conversation research in various on-line or off-line systems, and to try to show the value of these tools in work on conversation analysis. We begin with an outline of the most important steps so far in the development of the Information System for Conversation Analysis (GAIS) and an overview of other hypermedia systems, and go on to show how videos can be used to imitate the fleeting nature of the original communication event or to access this event in a specific way. Then we show how the use of video can be linked with phases of conversation analysis and argue for an integration of teaching into this process. We are thus concerned here with the didactic applications for teachers and the learning opportunities for students which hypermedia systems can offer in conversation analysis.
Susanne Günthner
Von Konstruktionen zu kommunikativen Gattungen
Die Relevanz sedimentierter Muster für die Ausführung kommunikativer Aufgaben
Abstract
Arbeiten der Gattungsanalyse sowie Studien zur gesprochenen Sprache verdeutlichen, dass Interagierende über Wissen unterschiedlich komplexer Schemata (von Konstruktionen bis zu ausgereiften Gattungen) verfügen, das sowohl bei der Produktion als auch der Rezeption von Äußerungen Anwendung findet. Im Gesprächsverlauf orientieren sich Interagierende an diesen verfestigten Schemata, die wiederum aufgrund ihrer gestalthaften Qualität Projektionen über den weiteren Interaktionsverlauf erlauben. An Beispielen unterschiedlich komplexer Schemata (Infinitkonstruktionen und Vorwurfsäußerungen) sollen in diesem Beitrag Fragen zur Routinisierung und Sedimentierung sprachlicher Formen im sozialen Handeln aufgeworfen und eine Verbindung zwischen Ansätzen der Construction Grammar (Fillmore et al. 1988; Goldberg 1995) und der Analyse kommunikativer Gattungen (Luckmann 1986; Bergmann 1987; Günthner/Knoblauch 1994, 1995) hergestellt werden: Sowohl bei der Construction Grammar als auch bei der Gattungsanalyse stehen konventionalisierte, verfestigte und rekurrente sprachliche Formen, die als Ressource zur Ausführung spezifischer kommunikativer Aufgaben eingesetzt werden, im Zentrum.
Work on the analysis of genres and studies on spoken language make it clear that participants in interaction are familiar with patterns of varying complexity (from constructions to fully developed genres) and that this knowledge is utilised in both the production and the reception of expressions. In the course of a conversation, participants gain orientation from these established patterns, which because of their Gestalt quality allow predictions about the further interaction process. Using examples containing patterns of varying complexity (infinite constructions and expressions of reproach), questions about the routinisation and sedimentation of linguistic forms in social interaction are raised and a connection is made between approaches in Construction Grammar (Fillmore et al. 1988; Goldberg1995) and the analysis of communicative genres (Luckmann 1986; Bergmann 1987; Günthner/Knoblauch 1994, 1995). Both Construction Grammar and the analysis of genres focus on conventionalised, established and recurring linguistic forms which are used as resources in the execution of specific communicative tasks.