Abstracts Deutsche Sprache 5/01

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Maria Thurmair

Vergleich und Konsekutivität

Abstract

Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit den in der Literatur als konsekutiv gehandelten Strukturen. Gezeigt werden soll, dass alle - mit Ausnahme der Strukturen mit kontinuierlichem sodass - primär der Spezifikation eines Vergleichs dienen und der Ausdruck der Konsekutivität demgegenüber sekundär ist.

This article deals with some structures which are generally categorised as consecutive in the literature. It will show that all of them - except those with sodass (written as one word) - have the primary function of denoting contrast and only secondarily denote a consecutive relation.


Marita Roth

Die Kraft der Metapher im Prozess der Stereotypisierung

Abstract

Der vorliegende Aufsatz untersucht den Gebrauch der Metapher als effektives sprachliches Mittel beim Stereotypisieren. Das Stereotyp beruht auf drei Ebenen, die im Folgenden erklärt werden. Metaphern sind vor allem auf der dritten dieser Ebenen häufig - der Ebene der Bewertung einer Person als Mitglied einer sozialen Gruppe oder der Gruppe als Ganzes. Die Metapher ist nicht nur kognitives Instrument, um die Welt zu verstehen, sondern schöpft ihre Kraft besonders aus ihrer Verbindung zum Emotionalen, was besonders wichtig für dieses dritte Ebene des Stereotyps ist. Wegen ihrer imaginativen Kraft und ihrer Bildhaftigkeit ist sie ein außerordentlich wirksames Mittel, mit dem auf den Gesprächspartner suggestiv Einfluss genommen werden kann. Dies wird anhand von Beispielen aus dem Berlin-Korpus, das in dem problematischen Ost-West-Kontext nach der Wiedervereinigung entstand, analysiert. Der kognitive und der emotionale Aspekt gemeinsam machen die außergewöhnliche Kraft der Metapher im Prozess der Stereotypisierung aus.

This paper analyses the use of metaphors as an effective means of stereotyping. There are three levels of stereotype, as will be explained. Metaphors are especially common on the third level - the level of the evaluation of a person as a member of a social group or of the group as a whole. The metaphor is not only a cognitive means of understanding the world, but is powerful especially because of its connection to emotions, a fact which is very important for this third level of the stereotype. Because of its imaginative power and imagery it is an extraordinarily effective medium, through which the recipient can be opened up to suggestive influence. This is shown by means of examples from the Berlin Corpus, which reflects the problematic relationship between East and West Germans in the aftermath of reunification. Taken together, the cognitive and emotional aspects give metaphors their extraordinary power in the process of stereotyping.


Aurelia Merlan

Koordinativ-negierende Konnektoren im Deutschen und in den romanischen Sprachen

Abstract

Im vorliegenden Aufsatz wird eine deskriptiv-vergleichende Analyse der koordinativ-negierenden Konnektoren im Deutschen und in den romanischen Sprachen durchgeführt, die das Augenmerk auf die Übereinstimmungen und Unterschiede zwischen diesen Sprachen hinsichtlich der Struktur, Funktion und Stellung der erwähnten Konnektoren sowie ihrer Kompatibilität mit anderen Negationsträgern und mit anderen koordinativen Konnektoren richtet.

This article contains a descriptive-comparative analysis of co-ordinative negative connectors in German and the Romance languages. The focus is on the similarities and differences between these languages with regard to the structure, function and position of the connectors in question, as well as their compatability with other negatives and other co-ordinating connectors.


Matthias Schulz

Schichten alter und neuer fremder Wörter als Europäismen im Deutschen

Abstract

Wörter wie Administration, Antiquität und Volumen werden in deutschsprachigen Wörterbüchern seit dem 16. Jahrhundert als Chance und Bereicherung des Deutschen oder - seltener - auch als ernstzunehmende Gefahr beschrieben. Wird der Blick auf die Bezeugung solcher Wörter in weiteren europäischen Sprachen gerichtet, dann wird deutlich, dass es sich um Einheiten einer Schicht von mittelalterlichen und neuzeitli­chen Europäismen im Deutschen handelt.
Bei den für die Gegenwartssprache gewöhnlich als 'Anglizismen' bezeichneten Lexemen wie etwa Mainstream, Lunch oder Teleshopping kann Entsprechendes beobachtet werden: Auch diese Lexeme sind gegenwärtig über die Bezeugung im Englischen und im Deutschen hinaus in diversen weiteren europäi­schen Sprachen usuell. Sie rücken damit strukturell in eine zunächst überraschende Nähe zu den bereits seit Jahrhunderten im Deutschen bezeugten Europäismen. Es stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, welche Perspektiven sich aus einer möglichen Zusammensicht von alten und neuen Europäismen im Deut­schen ergeben können.

Words such as Administration, Antiquität and Volumen have been described in German dictionaries since the 16th century as a chance and an enrichment for the German language or - more rarely - also as a serious danger. However, if one looks at how such words are testified in further European languages, it becomes clear that we are dealing with units from a layer of medieval and modern Europeanisms in German.
A corresponding phenomenon can be observed with lexemes usually called 'Anglicisms' in modern German, such as Mainstream, Lunch or Teleshopping: these lexemes are in common use nowadays not only in English and in German but also in a number of other European languages. From a structural point of view they are thus situated in a perhaps surprising proximity to Europeanisms which have been testified in German for centuries. Against this background the question arises as to the perspectives which can result from a possible common view of old and new Europeanisms in German.