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Abstracts Deutsche Sprache 4/01

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Manshu Ide

Die Auflösung der Verbalklammer durch die Verlegung des Nachverbs ins Vorfeld und ihre Funktionen im Textaufbau

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Auflösung der Verbalklammer durch die Verlegung des Nachverbs ins Vorfeld, und zwar mit dem Ziel, zu klären, wie eng dieses Phänomen mit dem Textaufbau verbunden ist. Die Vorfeldverlegung des Nachverbs löst zwar die herkömmliche syntaktische Klammer auf, lässt jedoch gleichzeitig satzsemantisch einen neuen kopulativen Prädikationsrahmen entstehen, der vor allem durch die Akzentuierung einer Einheit jeweils im Vorfeld und im post-finiten Bereich intonatorisch gekennzeichnet werden kann. Dabei fungiert das Nachverb im Vorfeld nach rechts, d.h. innerhalb des Satzes, als Thema, worüber etwas ausgesagt wird. Nach links, d.h. in Bezug auf das Vorangehende, funktioniert das Nachverb im Vorfeld textpragmatisch in dreifacher Hinsicht: Zum einen dient es dem relativ nah vorangehenden Textinhalt kontrastierend, indem es einen Gegensatz, einen Vergleich usw. stellt. Zum anderen greift es Konstituenten heraus, die aufgrund des Wissensrahmens zu einem übergeordneten Thema gehören, mit anderen Worten dient es hinsichtlich des Makrothemas konstituierend. Zum dritten schließlich zieht es aus dem Vorangehenden konstatierend einen Schluss, der dann negiert, eingeschränkt oder endgültig festgestellt wird.

The topic of this article is the dissolution of the verbal bracket by the fronting of the Nachverb, with the goal of clarifying how closely this phenomenon is connected with text structure. The fronting of the Nachverb dissolves the conventional syntactic bracket, but at the same time it creates a new copulative predication frame within the sentence semantics, which can be marked in intonation by stress placement on a element in the Vorfeld and in the post-finite field. To the right, i.e. within the sentence, the fronted Nachverb functions as the topic, about which something is stated. To the left, i.e. with reference to what has gone before, the fronted Nachverb fulfils three different text-pragmatic functions: on the one hand it is linked contrastively to the contents of the closely preceding material, by making a contrast, a comparison etc. On the other hand it picks out constituents which belong to a superordinate topic within the knowledge frame, in other words it serves to constitute the macro-topic. Thirdly and finally it draws a conclusion from the preceding elements, which is then negated, qualified or accepted.


Jannis Androutsopoulos

Ultra korregd Alder!

Zur medialen Stilisierung und Aneignung von "Türkendeutsch"

Abstract

Gegenstand des Beitrags ist die in den letzten Jahren verstärkt zu beobachtende Stilisierung ethnolektaler Varietäten des Deutschen in Massenmedien und ihre anschließende Aneignung in der Alltagskommunikation der Rezipienten. Auf der Basis von Medientexten und Interviews werden Wechselwirkungen zwischen Medien und direkter Kommunikation rekonstruiert. Die medialen Repräsentationen von "Türkendeutsch" lassen sich als Hybride auffassen, die Elemente aus der soziolinguistischen Realität migrantenstämmiger Jugendlicher mit Stereotypen für "gebrochenes Deutsch" und idiosynkratischen Elementen verbinden und je nach Gattung in mehr oder weniger klischeehafte Darstellungen ethnischer Milieus eingebettet sind. Fragmente von "Türkendeutsch" werden in verschiedene Situationen des Alltags vorwiegend zu scherzhaft-expressiven Zwecken eingebracht. Während sich manche Aneignungen als Reproduktion diskriminierender sozialer Stereotype deuten lassen, wird in anderen Fällen der Ethnolekt als Medienzitat reproduziert und verweist dabei auf die Medienaktualität und das gemeinsame Wissen der Kommunikationspartner. Im Kontext soziolinguistischer Theoriebildung wird damit ein weiterer Nachweis für den Effekt von Massenmedien auf die Sprachmoden und Interaktionsressourcen der Gesellschaft erbracht.

The topic of this article is the stylisation of ethnolectal varieties of German which has been taking place in the mass media in recent years and its subsequent appropriation in the everyday communication of the recipients. Media texts and interviews serve to reconstruct reciprocal effects between the media and direct communication. The media representations of Türkendeutsch can be understood as hybrids which connect elements from the sociolinguistic reality of young first- and second-generation migrants with stereotypes of "broken German" and idiosyncratic elements, and which, depending on the genre, are embedded more or less stereotypical representations of ethnic environments. Fragments of Türkendeutsch are predominantly used in various situations of everyday life for humorous or expressive purposes. While some cases can be interpreted as reproductions of discriminating social stereotypes, in other cases of the ethnolect is reproduced as a media quotation, thus pointing to the media topicality and the shared knowledge of the communication partners. In the context of sociolinguistic theory this furnishes further proof of the effect of the mass media on the linguistic fashions and the interaction resources of society.


Sergej Alatorzew

Zum Taxisverhältnis gleichzeitiger Handlungen im zusammengesetzten Satz mit der Konjunktion als

Diachronische und synchronische Aspekte

Abstract

In diesem Beitrag wird das Verhältnis der Gleichzeitigkeit von Handlungen in zusammengesetzten Sätzen mit der Konjunktion als im diachronischen und synchronischen Aspekt als Bestandteil des funktional-semantischen Feldes der Taxis betrachtet. Für die Konjunktion als sind der hohe Grad des Gebrauchs und die Möglichkeit charakteristisch, das Verhältnis der Gleichzeitigkeit in verschiedenen Schattierungen in der Vergangenheit auszudrücken. Das System des funktional-semantischen Feldes der Taxis ermöglicht verschiedene Sprachmittel in einem einzigen Komplex zu berücksichtigen, denn eine solche Verwendung der Sprache entspricht den natürlichen Bedingungen der Redeaktion, wenn die lexikalisch-grammatischen, morphologischen, syntaktischen und kontextuellen Mittel synthetisch gebraucht werden.

This article examines the relationship between the simultaneousness of actions and complex sentences with the conjunction als 'as, when' in diachronic and synchronic aspects as a constituent of the functional-semantic field of taxis. Characteristic of the conjunction als are its high frequency and its ability to express simultaneousness in different nuances in the past. The system of the functional-semantic field of taxis enables different linguistic means to be viewed in a single complex, because such a use of language corresponds to the natural conditions of the action of speech, when the lexico-grammatical, morphological, syntactic and contextual means are used synthetically.


Csaba Földes

Deutsch in Ostmittel-, Ost- und Südosteuropa - als eine Herausforderung für die Sprachenpolitik*

Abstract

Der Beitrag bietet eine Übersicht über Situation, Stellenwert und Tendenzen der deutschen Sprache in den Staaten Ostmittel-, Ost- und Südosteuropas von der Wende bis heute. Er kommt u.a. zu dem Befund, dass Deutsch in der untersuchten Region - quantitativ betrachtet - nach wie vor eine starke Stellung inne hat und sich einer beachtenswerten Konjunktur erfreut. Gleichwohl wurde klar, dass Englisch höhere Zuwachsraten hat und sich fast als "Allerweltssprache" - vom mitteleuropäischen Tschechien bis ins ehemals sowjetische Mittelasien - überall immer rascher und nachhaltiger etabliert. Die Studie legt nahe, dass in diesen Ländern verschiedene berücksichtigte qualitative Parameter zunehmend zu ungunsten der deutschen Sprache auszufallen scheinen, was zu einem besonderen soziolinguistischen Profil der deutschen Sprache führt. In diesem Aktionsrahmen formuliert der Aufsatz einige Postulate für eine schlüssige sprachenpolitische Konzeptbildung und folglich für eine gezielte und effiziente Verbreitung bzw. Förderung der deutschen Sprache.

This article contains a survey of the situation, position and tendencies of the German language in Eastern Central, East- and South-Eastern European states from the fall of the iron curtain to the present day. It concludes among other things that in the area under investigation the German language - judged by quantitative criteria - still has a firm position and is enjoying a remarkable boom. Nevertheless, it has become evident that English is showing higher accretion rates and establishing itself at an even faster pace and more permanently from the Central European Czech Republic to former Soviet Central Asia. The survey suggests that in these countries various qualitative parameters seem disadvantageous to German, which results in a peculiar sociolinguistic profile of the German language. Within this framework the author formulates some postulates for stringent language concept-formation in language policy and consequently for a targeted and efficient spread or furtherance of the German language.